Dienstag, 11. Juli 2017

Geh' mich weg mit G20, sonst werde ich noch ranzig!

Komischerweise habe ich immer nur dann Zeit, Lust, Elan und Energie für einen Post, wenn ich mich mal wieder aufrege. So also auch dieses Mal...

Thema heute: G20 und seine Folgen für Hamburg, die linke Szene und den Rest der Welt...

Großes Thema also! Über die Wahl von Veranstaltungsort brauche ich nichts mehr sagen, die Nummer ist durch.
Zum Thema Vandalismus, Randalismus und Gewaltismus brauche ich auch nichts mehr sagen. Oder doch? Oh, doch! Denn es erscheint beinahe als Reflex notwendig, sich erstmal zu distanzieren. Das tue ich auch in vollem Umfang. Brennende Kleinwagen haben nichts damit zu tun, dass es um Kritik an den großen Rädern unserer Zeit geht. Dass es viel Dinge gibt, die man an der Konferenz der Reichen und Mächtigen kritisieren kann, liegt auf der Hand. Klimaschutz, Welthandel, weltweite Solidarität und vor allem, das steht für mich zumindest hinter allem, der Gedanke und der Wunsch nach einer gerechteren Welt. Das Gewalt da ein wenig hilfreiches Mittel ist, sollte sich eigentlich spätestens nach dem Deutschen Herbst herumgesprochen haben. Gleichzeitig ist sie aber auch Ausdruck einer Hilflosigkeit. Selbst das friedliebenste Tier der Welt wird sich, einmal in die Ecke gedrängt, wehren, mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen.

Ich weise an dieser Stelle nochmal daraufhin, dass ich damit keineswegs Gewalt im Umfeld von G20 in Hamburg toleriere oder gutheiße. Die Plünderung von Einzelhändlern, die dann auf Grund dessen bankrott machen und damit neuen Konzernen Platz machen, kann da nun wirklich keine Lösung sein. Aber Gewalt zeigt in meinen Augen auch immer, dass sich Menschen an einer Grenze fühlen, die sie aus eigener Kraft, mit der Kraft der Worte, politischer Partizipation, Engagement und Einsatz nicht mehr überschreiten können. Warum deswegen regelrecht Jagd auf Polizistinnen und Polizisten gemacht werden muss (so wenig ich persönlich das ein oder andere Verhalten der Schutzmacht nachvollziehen und gutheiße), verstehe ich beim besten Willen nicht.

Doch die Folgen der Randale sind gerade all überall in den sozialen Medien zu sehen und sie sind weniger Ausdruck einer Solidarisierung mit den Leidtragenden, sondern hier wird polarisiert, dass sich die Balken biegen. Das Linken-Bashing ist zum Modesport geworden (Ein weiterer Ausdruck des Rechtsrucks in der Gesellschaft, die mit den leidigen Diskussionen um die Aufnahme von Flüchtlingen begonnen hat?), lauthals wird die Schließung der "Roten Flora" als Zentrum der radikalen Linken heraufbeschworen, in Kommentaren ist von der "vollständigen Zerschlagung linksradikaler Strukturen" die Rede und fragwürdige Bands bringen Songs heraus, die angeblich gegen jede Art von Extremismus sind (Wer sich mal richtig ekeln will, sollte sich mal die youtube-Kommentare zu diesem Song reinziehen!).

EXKURS: Diese Argument, dass "die Linken" ja Politik erst in die Stadien trage, hört man im Stadion übrigens ständig. Wer dort gegen Rassismus und Homophobie ist wird blöde angemacht, wer Schiedsrichter aber als "asoziale Schwuchtel" und dunkelhäutige Spieler (übrigens immer nur die der Gastmannschaften) als "hässlichen Neger" beschimpft äußert nur seine freie Meinung...

Als Fazit lässt sich sicher sagen, dass "die linke Szene" (Die Anführungszeichen dienen hier dem Hinweis, dass es sich bei der Bezeichnung um eine Sammelbezeichnung handelt, die genau so ungenau ist wie die Bezeichnung "die rechte Szene".) sich keinen Gefallen damit getan hat, dass die die Proteste so eskaliert sind, unabhängig davon, ob es sich nun um inländische oder ausländische Autonome handelt. Und die berechtigte Kritik an G20 verliert ihre Kraft, wenn im gleichen Satz immer nur von den Gewalttaten die Rede ist. Schade, dass Hamburg als Tor zur Welt und damit auch die Kritiker an G20 somit eine große Chance verwehrt worden ist, Protest lautstark und wirksam vorzutragen.

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