Mittwoch, 31. August 2016

Lala #1 (Beginner - Advanced Chemistry)

Willkommen in der Salatschleuder... alles Überschüssige muss raus und wie sagte jüngst jemand...

Musik geht immer, weil es schnell geht... :-)

Heute also ein paar Zeilen zur Neuanschaffung der letzten Woche... die Füchse unter euch werden es durch den Buchstabenwald haben trabsen hören...

Die Herren Eißfeld, Denyo und DJ Mad haben nach langer Wartezeit zwölf neue Titel in den Äther gehauen (Beginner - Advanced Chemistry). Und kaum waren der Auftritt beim Splash (Ahnma-Live vom Splash) abgefeiert und das schicke Video zu Es war einmal (mit vielen Sternen und Sternchen) durch das sog. Internet gejagt, ging es zum Neustart direkt mal rein in die Verkaufscharts.

Wie immer bei langerwarteten und dann endlich erschienen Alben machte sich schnell bei den Die-Hards aus den 90er-Jahren Ernüchterung breit und für die Gansta-Kids von heute ist das echt zu seicht, zu weich und so gar nicht gefährlich und provokant.

Höchste Zeit also für eine kleine Review eines 90er-Teenies...

Ahnma (feat. Gzuz & Gentleman) - Ganz ehrlich, der Sound knallt... die Nebelhörner hauen rein und Proll-Style trifft Reggae-Sound plus Hamburger Nuschel-Raps, mehr Aufsehen konnten die Herren nicht erzeugen. Beim ersten Mal hören hatte ich Gänsepelle und den dringenden Wunsch, die Arme in die Luft zu heben und mitzubounzen.

Es war einmal - Das Schöne an Bands ist, die einen ein Leben lang begleiten, dass sie alle mal erwachsen werden. So bremst Es war einmal die Randalestimmung des Openers und nimmt uns mit durch eine Reise von der Beatstreet bis Ahma. Da kommt ein wenig "back in the days"-Stimmung auf und offensichtlich für Bands und Rapper immer mal wieder ein wichtiges Ding (siehe: Umse - Alles Geschichte). Schön auch das Zitieren der eigenen Hits...

Meine Posse - Sie können es noch, frische Beats, ordentliche Raps, ein wenig Stallgeruch verbreiten, zumal der alte Eimsbusch-Kollege Samy Deluxe mitmachen darf.

Schelle - Besticht vor allen durch den Stilmix, vom entspannten Reggae-Sound über einen markigen Spruch (Wird sich für den Schulgebrauch jedenfalls gemerkt!) bis hin zu einem zerflexenden "Refrain". Für mich klingt Herr Eißfeld auf Reggae immer noch am besten...

So schön - Hach, Romanntikmodus an... und aus Hand auf's Herz eines wilden EinsZwo-Dendemanns wird es smooth und kuschelig, eine Homage an die Damen, Prinzessinnen, Heldinnen und heißen Ladies dieser Welt. Keine grundsätzlich neue Idee, aber dieser poppige Sound passt zu den Beginnern dann doch nicht so recht. Aber wer sich das zwischendurch erschienene Denyo-Album reingezogen hat, wird das ein oder andere wieder finden.

Rambo No. 5 - Ja, wir kennen ihn alle, den Sommerhit der letzten 200 Jahre... Für mich ist dieser Song der schwächste auf dem ganzen Album... dieser Sound, der mehr verspricht als er abliefert, und dann dieses nervige Echo? Was soll das? Schade drum, hätte ein neuer Sommerhit werden können...

Kater - Fuß vom Gaspedal und wieder runterkommen. Auch hier dürfte Denyo maßgeblich für das Songwriting verantwortlich sein. Aber schöner hat noch niemand den schwarzen Kater beschrieben.

Rap & fette Bässe - Sauberer Beat, minimalistisch und schick, schönes Sample aus dem Knaller von Afrob und Ferris und dazu noch feine, minimalistische, aber pointierte Raps... so macht das Spaß, wenn die älteren Herren wieder da sind.

Spam - Der Song klingt ein wenig nach Damals-war-alles-besser, was eigentlich eher den 70Plus-Herren gut zu Gesicht stehen würde. Das Digitalisierung schwierig ist, menschliche Werte und zivilisatorische Errungenschaften möglicherweise auf der Strecke bleiben, ist wohl "Randnotiz der Geschichte", aber leider wahr. Klingt ein Bisschen nach Weltverbesserung, wichtig, aber ein wenig lehrmeisterhaft.

Thomas Anders - Grandioser Refrain und schöner Beitrag des großartigen Megaloh. Auch hier wieder, eher reduzierter Sound, dafür die herrlich nervige Refrainstimme des Herrn Eißfeld. Auch hier wird gegen gesellschaftliche Missstände musiziert, was deutlich mehr Spaß macht als Spam, wenngleich der Merksatz "have you own kind of style not like the rest" locker in jedem Poesiealbum stehen könnte.

Macha, Macha - Spätestens hier klatschen sie aufeinander wie eine flache Hand auf eine ungeschützte Wange. German New School meets German Old School, Baba Haft als Feature bei den Beginnern, für viele ein Affront wie damals das Feature von Sabrina Setlur auf dem Fanta-Album. Ich habe gefeiert! Großartige Sache, und wenn ich mich lange gewehrt habe, das Zeug der Herren Gansgterrapper macht Spaß. Unklar ist mir, ob die ganze Nummer wirklich ernst gemeint ist, oder eher eine Parodie mit Selbstbeteiligung ist. Aber "Zigtausend-Sassa" hat schon was...

Nach Hause - Hätte genauso gut auch Hamburg, meine Perle lauten können. Eine Hommage an die Heimat, den Heimathafen, den eigenen Kiez. Ein kleines Stück Heimatliebe, geradezu eine Ode auf den letzten sicheren, heimeligen Platz in all dem Durcheinander von Spam, Reggae, Ganstarap und Anderssein. Sicher, ganz weit entfernt von Nordisch by nature, aber mit mindestens genauso viel Herzblut. Home is where your heart is!

Fazit
Ich finde, dass die Herren aus Hamburg ein sehr abwechslungsreiches Album vorgelegt haben, dem deutlich anzumerken ist, dass die Herren inzwischen alle ein bis zwei Jahre älter geworden sind. Sicher ist Advanced Chemistry kein Album für die 14-18-Jährigen, die schwer abgehen wollen auf fette Beats, dazu gibt es schlicht zu wenig fette Beats, weil das Album recht poplastig geraten ist. Für alle, die mit den Herren groß geworden sind, und nach 15 Jahren immer noch nicht genug haben von Bambule und den Füchsen, denen wird dieses Album möglicherweise entgegen kommen. Es ist nicht mehr so aufgeregt und wuselig, sondern die Beginner sind mit uns gealtert.
Bei mir haben sich die Herren jedenfalls einen festen Platz in der Rotation gesichert. Sicher ist es kein Zufall, dass sie mit dem Titel und der Verwendung eigener Zeilen aus den 90er-Jahren einen Kreis schließen, und schon damals galt, dasss Füchse gar keine Rudeltiere sind. Die Beginner haben jedenfalls wieder etwas sehr eigenes geschaffen.











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