Dienstag, 9. August 2016

Gefällt #2 (RuhrpottRodeo)

Hach, es bleibt ja dabei... ein Mal im Jahr geht es raus, auffe Wiese, zum Festival am Flughafen..

Nein, nicht zum Out4Fame, sondern zum legendären, inzwischen 10-jährugen RuhrpottRodeo...

Sicher, für drei Tage im Matsch, zwischen kiffenden Punkern und stinkenden Dixieklos (Oder war es andersherum?), bin ich inzwischen echt zu alt. Wir Wohlstandspunker sind ja inzwischen gesetzt und schätzen ein bequemes Bett und eine frische Dusche. Aber dennoch wollten wir es uns dieses Jahr nicht nehmen lassen, wenigstens einen Tag dort vorbeizusehen. Da drängte sich der Sonntag mit Sick of it all und NoFX als Headliner geradezu auf.

Also ging es am frühen Sonntagnachmittag mit dem Geschwister-Shuttle nach Bottrop-Kirchhhellen. Flugs aus dem Auto, an der Kasse das Armbändchen abgeholt und schon konnte es los gehen. Shcon auf dem Weg zur Kasse mussten wir ein wenig durch den Matsch, es hatte halt am Tag vorher recht amtlich geregnet.

Und schon war es wieder da... dieses unverkennbare Zeichen, das olfaktorische Signal, dass Rodeo ist... der Geruch... der ist einfach unverwechselbar... es sind gar nicht mal die ungeduschten Punkerjungs und -mädchen, die ergänzen es nur... nein, es ist der Geruch nach nasser Kuhwiese, nach Gärung, Verwesung... kein schöner Geruch, aber auch keiner, den man nich ertragen kann..

Nach zwei, drei Bier riecht man es auch wirklich gar nicht mehr und spätestens nach der türkischen Pizza zur Stärkung ist eh alles egal... (Empfehlenswert: Falafel) Obwohl ich problemlos den ganzen Tag im Biergarten hätte sitzen können, allein wegen der vielen lustigen Menschenkinder (Man müsste auch noch mal über "Uniformierung" der Punkszene nachdenken!), wurde natürlich auch Musik gemacht...

Erste Band unter den eigenen Augen waren Swiss und die Anderen, eine Kombo aus Hamburg, mit einer Mischung aus Such a Surge, Trieb und einer kleinen Portion Megavier, wenngleich der politische Faktor deutlich größer war und mir zumindest ziemlich Spaß gemacht hat, zumal Swiss, ursprünglich Rapper, ein nicht ganz untalentierter Sprachakrobat ist und mit launigen Sprüchen die Zuschauer bei Laune gehalten hat.

UK Subs haben wir uns dann mal geschenkt und sind erst bei den Italienerin von Talco wieder eingestiegen. Wenn ich so gut wie kein Wort verstanden habe, ich bin ja des Italienischen nicht mächtig, aber die haben definitiv gute Laune verbreitet und eine ganz schicke Bühnenshow abgeliefert.

Anschließend gab es bei The Dwarvs auf der kleinen Bühne mächtig auf die Mütze und dann eine Pause für die alten Männer,, also ließen wir Flag Flag sein. Wir sind erst wieder bei Eisenpimmel eingestiegen, die die Punk-Erfahrung am Sonntag dann abgerundet haben, denn wer kann den Titeln wie "Sonne, Mond und Scheiße" oder "Füße hoch, Fernsehen an, Arsch lecken" widerstehen?

Auf dem Weg zum Endspurt ging es dann mit der Sondaschule los. Die Herren aus Oberhausen habe ich zum ersten Mal live gesehen und kannte sie bisher nur von Konserve. Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht war, weil die Stimme des Sängers und die SteelBrass-Menschen irgendwie nach mehr Druck und Power klingen. Trotz allem ein gelungener Auftritt, der mehr Bewegung in die Zuschauer brachte (insbesondere auch in der zweiten Etage) als die Herren von UK Subs oder Flag.

Die nächste Eskalationsstufe bestiegen dann Sick of it all. Die Hardcore-Band aus New York ließ sich und den Zuschauern keine Zeit. Vom Fleck weg auf die Fresse, schnell, hart, melodiös, genauso wie man es mag. Ein sahnemäßiger Auftritt, nach dem sich viel Zuschauer auf letzter Rille und nassgeschwitzt aus dem moshpit schleppten.

Nur noch eine kurze Weile warten und dann betraten NOFX die Bühne. Ein riesenhaftes Banner kündigte die Jungs um Fat Mike an. Der ließ es sich  nicht nehmen, im schwarz-roten Trägerkleidchen aufzutreten. Knapp eineinhalb Stunden punk-ten, reggea-ten und hardcore-ten sich die Herren durch mehr als 30 Jahre Bandgeschichte. Ein Fest! Zum Abschluss gab es dann Akkordeon und gemütlichen bayuvarischen Ausklang.

Mit letzter Kraft haben wir uns anschließend nach Hause geschleppt (nach Geschwister-Shuttle) und selig ging es ins Bett... :-)

Ach, noch was, neben dem Geruch gibt es auch ein Geräusch, was zum Rodeo gehört. Nein, nicht der leichte Tinitus nach sechs bis acht Stunden Mucke auffe Ohren, sondern das Geräusch, wenn Menschen durch einen Bodenbelag von alten Plastikbechern latschen als wenn sie durch das Herbstlaub schlendern.

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