Montag, 22. September 2014

Wartezimmer

Die meisten Menschen haben ein einigermaßen funktionierendes Gehör. Eine wichtige Eigenschaft für das menschliche Zusammenleben, besonders für gelungene Kommunikation. Schon im Kindergarten und spätestens in der Schule wird Zuhören zu einer wichtigen Lernstrategie.

Dann habe ich gelernt, dass man seine audielle Wahrnehmung durchaus steuern kann, nur Dinge, auf die man sich beim Zuhören konzentriert werden auch erinnert.

Manchmal ist es aber auch sehr lästig, dass mensch seine Ohren nicht verschließen kann wie beispielsweise ein Hund. Jeder dürfte schon mal Zeuge eines trivialen Handy-Telefonats im Zug oder ab der Supermarktkasse geworden sein.

Die Krönung des Zuhören-Müssens sind allerdings Wartezimmer, wie ich heute erfahren musste. Insbesondere, und so viel Klischee kann ich kaum erfinden, wenn zwei Lehrerinnen ins Gespräch kommen und nach kurzem Geplänkel über Krankheitsgeschichte natürlich bei 'ihrem' Thema landen: Schule. Jeder, der sich schon mal ansatzweise über Schulpolitik, schulische Inhalte, pädagogische Konzepte informiert und sich mit ihnen beschäftigt hat, wird wissen, dass es sich dabei nicht nur um ein schier unendliches Feld (also deutlich mehr als Fontanes 'weites Feld') handelt, sondern sich mindestens genauso kontrovers diskutieren lässt.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass die Damen die etwas übertriebene Wartezeit von zwei (!) Stunden mit angeregtem kollegialen Austausch verbrachten. Schlimmer war, dass ich zu hören musste. Keine Chance zur Flucht, keine Ohrenklappen, keine Watte in den Ohren. Selbst im Versuch, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, sind kläglich gescheitert. Nun kenne ich nicht nur Krankengeschichte, Wohn- und Arbeitssituation, pädagogische Erfahrungen, professionelle (Nicht-) Haltung und persönliche Vorlieben bei der Unterrichtsgestaltung (“..für Binnendifferenzierung müsste ich ja täglich mit einen Einkaufswagen an Arbeitsmaterial antanzen..“/ “Wochenplan ist mir zu viel Arbeit..“), sondern habe auch bemerken müssen, dass mich diese Kontroversen mich wütend machen. Ich beinahe dazu neige, mich einzumischen...


Und diese Arroganz bei Sätzen wie “...was kümmert mich der Niveauverlust, ich mach' das noch die paar Jahre bis zur Rente...“, also wenn die nicht langsam die Klappe halten. Dann überlässt sie den Scheiß ihren Kindern und Enkeln? “Also wenn ich mich kurz einmischen darf...“ - “Herr Caveman? kommen sie dann bitte ins Behandlungszimmer...“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen