Montag, 29. September 2014

Mal etwas zu (Lokal-)Politik

Die Stadt Voerde gehört sicher nicht zu den Kommunen, in denen alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Zu viele Probleme sind drückend und bedürfen dringend konstruktiver Lösungen. Doch schon da fängt das Dilemma an. Wenn ich die Presse der letzten Wochen richtig verfolgt habe, zeichnet sich die Politik in meiner Heimatstadt vor allem dadurch aus, dass die Politik wenig weitsichtig, arm an Visionen ist und Angst vor dem Scheitern hat. Wobei mich insbesondere stört und entsetzt, dass man, mit diesem „man“ sind sicher auch Sie und ich und nicht nur die Politiker gemeint, einfach keinen Mut beweist. Nur drei kleine Beispiele der letzten Wochen:

Schullandschaft – Seit einiger Zeit warnen Bildungswissenschaftler und Bildungspolitiker davor, Schulen allein mit der Gemeinde- bzw. Stadtbrille zu betrachten. Dass das Ende einer Schule mitunter traurig und betroffen macht, liegt in der Natur der Sache. Schade nur, dass die Stadt hier eine Lösung verpasst hat, die wirklich zukunfsweisend gewesen wäre, beispielsweise in der Kooperation mit den Nachbargemeinden und -städten, die ja durchaus möglich und in Zeiten des viel zitierten demographischen Wandels bei ausreichendem Mut und politischem Willen durchaus möglich gewesen wäre. Und wieso ist nur über eine Schule (Realschule Voerde) diskutiert worden und andere Schulen (Gymnasium Voerde) immer außen vorgeblieben. Ist es nicht absehbar, dass es womöglich diese Diskussion spätestens dann geben wird, sollte das einstige Auslaufmodell erneut scheitern?
Innenstadtentwicklung – Wie lange versucht die Stadt nun den Rathausplatz neuzugestalten? Ich habe irgendwann vor zwei Jahren einfach aufgehört auch nur daran zu glauben, dass es irgendwann nochmal was wird. Denn mal ehrlich, wer hat die Voerder denn gefragt? Und ist es nicht utopisch anzunehmen, dass eine bauliche Maßnahme den Rathausplatz wieder zum Zentrum macht, wo doch die Bahnhofstraße zwischen Friedrichsfelder und Grutkamp inzwischen so etwas wie ein Zentrum ist? Zudem hat der Neubau des Sparkassen-Gebäudes erst nachhaltig dafür gesorgt, dass der Marktplatz und das Rathaus doch im Sinne eines Zentrums keine Rolle mehr spielt. Mir fehlt einfach der rote Faden. Erfolgreich hat man altengerechte Wohnung und Senioreneinrichtungen in Zentrumsnähe gebaut, aber in Sachen Innenstadt setzt man auf junge Menschen und Kunden? Geneigter Leser, merken sie was? Hier scheint irgendwie etwas nicht ganz zusammen zu passen. Senioren brauchen eher keinen Fastfood-Laden oder einen angesagten Klamottenladen und die jungen Menschen, die es hier noch gibt, werden doch lieber nach Dinslaken, Wesel oder gar Oberhausen und Essen fahren, weil es dort eben solche Geschäftszentren und -malls schon gibt, die die Stadt Voerde nun auch will? Wo bleibt denn da so etwas wie Stadtentwicklung oder Zukunftsvision?


Sportplatz Friedrichsfeld – Langsam wird es beinahe lustig, wenn es nicht so traurig wäre: Es war einmal eine Stadt, die wollte in einem Stadtteil einen neuen Sportplatz bauen (Entschuldigung! Ein Sportpark!). Nicht lange gesucht, zack!, da soll er hin! Ach, da ist Wald? Egal, das ist ja kein richtiger Wald, so „durcheinander“ wie der ist! Da müssen Kindern womöglich eine Bundeststraße ohne Ampel auf der Anfahrt überwinden? Da bauen wir eine Querungshilfe (die es ja eh schon gibt)! Ach, die Landesbehörde genehmigt das nicht? Macht nichts, bessern wir nach, so lange bis es passt! Um es mit den Worten der Punkband Kaput Krauts zu sagen, „manchmal kann man gar nicht so viel kotzen, wie man schon in sich reingefressen hat.“ Statt endlich mal über eine sinnvolle Perspektive nachzudenken, was beispielsweise in zwanzig Jahren mit dem neuen Sportzentrum passiert, wenn es in Voerde noch mehr ältere und alte Menschen geben wird. Die dann vielleicht lieber in einem Wald spazieren gehen würden, als ihre Körper bei Leichtathletik und Fußball zu stählen? Keinen Mut über Kooperationen mit benachbarten Vereinen oder gar über die Fusion ganzer Vereine nachzudenken. Ich weiß, das sind heilige Kühe, die sicher nicht geschlachtet werden. Aber so ein wenig, ein klitzkleines bisschen Mut, heute schon Politik für morgen zu machen, das fände ich wirklich schön.
In diesem Sinne, hoffe ich, dass Sie mutig sind und immer mal wieder über den Tellerrand blicken, die Kommunalpolitiker, die Mitbürger, die Mitmenschen.

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