Dienstag, 19. August 2014

Dänemark V

So, dieses Mal vergesse ich das nicht... weiter geht die Reise... :-)

30. Juli 2014

Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht mit überschaubarer Anzahl von Mückenstichen, hätten wir frohen Mutes in den Tag starten können. Wären da nicht das schwedische Ehepaar von nebenan gewesen, die geschätzt um halb sieben damit angefangen haben, ihre Habseligkeiten zusammenzupacken. Ist ja kein Problem, dass man auf Campingplätze und beim Camping mitunter tieferen Einblick in die Gepflogenheiten seiner Nachbarn bekommt, gehört ja irgendwie auch dazu. Aber plötzlich war der deutsche Spießer in mir alarmiert. Halb sieben? Mittwochmorgen? Da stehen ja nicht mal die Handwerker auf! Die schwedischen Camper aber wohl schon. Jedenfalls ging es erstmal lautstark los, der Grill musste eingepackt werden, und die metallene Klappküche, und was weiß ich denn alles, was diese Schweden einpacken mussten. Spätestens beim Zeltabbau war die Geduld zwischen dem Paar wohl dahin und so wurde erstmal lautstark darüber diskutiert, wie wohl das Zelt abzubauen sein. Zumindest deute ich das mal so, denn schwedisch kann ich ja nicht. 

Nachdem die dann endlich abgezischt waren, konnten wir dann noch ein Stündchen weiterschlafen, bevor die Sonne so hoch gestiegen war, dass der Thermoeffekt eintrat. Während also in Deutschland reihenweise Bahnlinien absoffen, Keller vollliefen und ganze Städte zeitweilig unter Wasser standen, begrüßte uns die Sonne, die es schaffte, dass ich schon vor dem ersten Kaffee verschwitzt war.

Im Anschluss an Morgentoilette und Spüleinsatz ging es dann mit dem Auto erstmal nach Aabenraa, nachdem wir dort gestern nur durchgefahren waren. Ein morgendlicher Gang durch die Einkaufsstraße, runter zum Hafen, wieder rauf zur Sankt Nicolai Kirche. Auch hier sehen die Einkaufsstraßen nicht anders aus, als bei uns. Nur die üblichen Verdächtigen fehlen bisher, aber es reihen sich Bekleidungsgeschäfte an Eisdielen und Mobilfunkläden. Auffällig allerdings die hohe Frisördichte, zum Teil sogar mit Online-Booking-System. Mein Bruder war gänzlich fasziniert über die Ausstattung der Sankt Nicolai Kirche, statt altertümlicher, manueller Anzeigetafeln gab es Flachbildschirme, damit die Gläubigen auch die richtigen Liedtexte aufblättern können. Und statt einem CD-Spieler gab es ein Bose-Soundsystem.

Weiter ging die Fahrt nach Rodeskro, um einen neuen Begleiter in Empfang zu nehmen.Hatten wir doch die traurige Pflicht in Westerdeichstrich den geschätzten Mini-Dreibei-Hocker in die ewigen Mini-Dreibein-Hocker-Jagdgründe zu entlassen. Nun residiert der Herr Bruder auf einem feudal anmutenden, weiß bezogenen, verstellbaren Klapp-Stuhl mit erhöhter Rückenlehne, Armlehnen und einem verstellbaren Kissen für den Nacken. Seitdem geht es ihm wieder gut: Lapidarer Kommentar: "Ein wenig Luxus muss schon sein!" Und ich dachte schon, die elektrische Kühlbox wäre damit gemeint gewesen. Nach dem Bummel durch den Garten-Bau-Freizeit-Markt passte der Trümmer von Stuhl dann natürlich nicht mal in den Koffenraum.


Da noch viel vom Tag übrig war, ging es weiter nach Sonderborg. Wobei wir die Einkaufsstraße zwar passierten, aber ist halt auch nichts anderes gewesen, bis auf zusätzlich noch ein paar Ramschläden, damit die Touris auch ihr Geld da ließen. Waren wir in Aabenraa noch beinahe Exoten, weil alles um uns herum dänisch sprach, mischten sich die Touristenströme in Sonderborg. So marschierten wir zu einer alten Mühle, die wieder fein hergerichtet waren, und beneideten die Sonderborger um ihren Standstrand vor historischer Kulisse, hatte doch der erste König die Hafeneinfahrt mit einer kleinen Festung ausstatten lassen. Schade nur, dass die Sonderborger ihre eigentlich eindrucksvolle Uferkulisse der Hafeneinfahrt, ein paar kleine, typisch skandinavisch bunt gehaltende Häuser und ein eindrucksvolles historisches Hafenkontor durch den Bau von gleich drei geschmacklosen Hochhäusern im Beton-Chique versauten.


Den restlichen Tag verbrachten wir auf unserem Platz, doch der feste Vorsatz, auf jeden Fall in die Ostsee zu springen, wurde von mir schnellstens fallen gelassen. Es wurde nach und nach wolkiger, dann wieder sonniger, aber auch kälter. Zum ersten Mal in diesem Urlaub sitze ich in langer Hose und Pullover vor dem Zelt. Mein Zeitschrift ist nun jedenfalls zu Ende gelesen. Morgen geht es nach Sorby, in die Nähe von Kopenhagen.

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