Montag, 11. August 2014

Dänemark II

Kaum hatte die Sonne uns geweckt, die morschen Knochen noch kurz gestreckt und raus aus der Schwitzhütte "Zelt", haben diese Art mobiler Bebauungsmöbel doch den unfeinen Zug, sich bei geringster Sonneneinstrahlung sekündlich um mehrere Grade aufzuwärmen, was insbesondere in den folgenden Nächten richtig gut werden sollte. Kurz die Beißerchen gereinigt, das Kaffeewasser aufgesetzt und schon trottete die noch unbekannte Nachbarin summend und leise singend in Richtung Nasszellenbereich. 

Okay, fröhliche Menschen soll niemand aufhalten. Kaum war sie zurück, ging der Singsang weiter und sie begann in aller Seelenruhe ihre gesamte Zelteinrichtung auszuräumen. Derweil übten wir den ersten Einsatz von diversen verschließbaren Plastikboxen, Box auf, gesuchten Gegenstand raus, Deckel zu. Neuen Gegenstand suchen, Box auf, Gegenstand raus, Deckel zu, nächstes Frühstücksequipment suchen, Box eins auf, Deckel zu, Box zwei auf, Deckel zu, Box drei auf, Deckel zu... "Den Kaffeekocher habe ich gestern schon ausgeräumt..."
Nachdem wir also letztendlich unsere Frühstücksutensilien zusammen hatten, hatte die Nachbarin alles ausgeräumt und saß in Mitten all ihrer Habseligkeiten, die sie offensichtlich auf einem Rad transportiert hatte. Als der Kaffee gerade durchgedrückt war, kam der drahtige Früh-60er vom Duschen und begann mit einem harmlosen "Guten Morgen!" ein gut halbstündiges Gespräch, von dem der Herr Bruder und ich noch lange gezehrt hatten. Mit großen Ohren lauschten wir andächtig zwischen Brot und Kaffee schlürfen. Sie sei ja schon ein paar Tage unterwegs und wäre ja ohnehin Veganerin und würde daher immer so viel mitnehmen, weil sie halt so eigen sei beim Essen. So ging die Reise über halbe Lebensgeschichten über Rad fahren in Zeiten des Geldmangels und über die besten veganen Lebensmittel bis zu dem Punkt, an dem der harmlose Alleineradler sich endlich auf den Weg machte, sich etwas im Ort zum Frühstück zu besorgen. 

Kaum war er weg, fuhr ein weißer Transit vor, während Madame gerade die Hafermilchreste aus der Tasse spülte. Aus Dem Fahrzeug krabbelte ein End Vierzieger, Schnurri, Brille, beiges Hemd, beige Bermuda, Outdoorsandalen mit Socken, natürlich beige. Immerhin war er noch zu freundlich, den Bus an die Seite zu stellen, damit wir abreisen könnten und nahm dann im Lotussitz auf Madames Decke Platz und begann zu meditieren. Wenig später kam sie mit der frisch gespülten Tasse zurück, großes Hallo und dann wurde erstmal engumschlungen Rumgebissen, das ganze Programm, Zunge an die Mandeln, letzte Dinkelbrotreste aus den Zahnlücken puhlen, so richtig eben.

Zeit für uns zu gehen, und weiter ging es erstmal mit dem Auto von Wischhafen nach Glückstadt über die Elbe, die hier deutlich breiter und imposanter ist, als der geliebte Gevatter Rhein bei Stromkilometer 814. Kurze Einkehr in Glückstadt, in der Hoffnung, dass wenigstens etwas vom Namen für uns abfällt. Gefallen ist nichts, außer vielleicht die Matjesbrötchen in die leeren Mägen. 


Anschließend ging es weiter nach Westerdeichstrich, genauer in den Ortsteil Stintek, rund zwei Kilometer nördlich von Büsum. Ein ruhiger Platz, direkt hintem Deich, daher auch der vielsagende Name "In Lee". Bester Service, schnelle Platzsuche, Schatten, nachdem es am Tag rund 30° warm geworden war. Im Schweiße des Angesichts schnell mal die Zeltplane aufgestellt und den Deich rauf zum Meer. So die Idee

... wenn denn da auch Meer gewesen wäre.
Stattdessen eine Schafherde und mehr Wiesen. In der Ferne war ein weiterer Deich zu sehen, also weiter in die Richtung. Und dann endlich, eine letzte Treppe von der Kuhweide hinauf, und schon war da der Strand.
Dachten wir...


Stattdessen empfing uns ein sorgsam gemähter Rasen auf der Seeseite, der beinahe bis hinunter zu Wasser führte... wenn nicht gerade Ebbe gewesen wäre. Stattdessen nur Matsch... also Wattenmeer. Insbesondere die Städte entlang der Nordsee werden übrigens nicht müde zu erwähnen, dass das Wattenmeer... genau, UNESCO-Weltkulturerbe ist. Den Strand...also die Wiese sind wir dann ein paar Meter entlang gegangen und dann erstmal zurück zum Zelt, duschen, essen, Reihenfolge beliebig und eigentlich auch, ob es nun Fussili mit Al-Arrabiata oder Holzspäne mit Ketchup gegeben hätte. Schlafen...

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