Sonntag, 16. März 2014

In Wehmut blicke ich zurück...

...., dass ich zu bestimmten Themen einfach nichts mehr sagen wollte. Aber es führt leider kein Weg daran vorbei. Und leider wird das auch wieder ein viel zu langer Text.... aber es hat sich einiges aufgestaut...

Zuallererst sei es erwähnt: Fußball ist immer noch wichtig! Nur, wer am Samstag im Stadion an der Wedau zu Gast war, dürfte den Eindruck bekommen haben, dass es den meisten "Zuschauern" in der Nord vor allem darum ging, sich gegenseitig fertig zu machen. Unbestrittener Höhepunkt waren die erneuten Auseinandersetzungen in der Heimkurzve (!). Ich werde hier jegliche Stellungnahme verweigern, weil ich erstens, kaum mitbekommen habe, was passiert war und zweitens, ich nicht zusätzlich Öl in irgendwelche Feuer gießen will, die seit Wochen brennen.

Doch so viel sei gesagt: Diskussionen und Handgreiflichkeiten rund um die Ultra-Szene (dabei schließe ich ausdrücklich alle Fan-Gruppierungen des MSV mit ein) gab es, gibt es und wird es immer geben. Wer darf welche Lieder zu welche Zeit anstimmen, wer welche Fahnen zeigen, wer welche Choreo durchziehen und und und. Oft macht die wahnhafte Idee die Runde, wer denn das Sagen in der Kurve hat, was auch immer damit gemeint ist.

In den letzten Jahren gab es immer wieder um Ultras und Kohorte Diskussionen und Anfeidungen. Mal bezogen sie sich auf die Art und Weise, wie supportet wird, sprich, welche Lieder angestimmt werden. Dann wurde kritisiert, dass "die Ultras" (wer auch immer das sein mag?) nur sich selbst feiern wollen.

Klar, als regelmäßiger Stadiongast entgeht einem selbst nicht, dass man sich in mancher Spielsituation vielleicht einen anderen chant wünscht. Dass man seinen Zorn über das üble Foul eines gegnerischen Spielers auch gerne mal in Hass-Gesänge auf die Gästemannschaft abladen will. Nur dann in der Kurve Sprüche anzustimmen wie "Scheiß Kohorte!", der zeigt, dass der relative Horizont seiner geistigen Fähigkeiten nicht zu den größten Dingen dieses Universums gehört.

Nein, ich will nun keine Lobhudelei los werden. Es geht nur darum, dass die Ultra-Gruppierungen sich in ihrem eigentlich Streben einig sind. Support des Vereins, wo immer und so laut wie möglich. Dass das Geschreie danach, dass die Kohorte aus der Kurve verschwinden muss, ist in meinen Augen aus zwei Töpfen genährt.

Erstens, diejenigen, die nun gerne "Zick-Zack-Z****" schreien wollen fühlen sich durch die strikte und konsequente Haltung der Kohorte, keine diskriminierenden, rassistischen und faschistischen chants anzustimmen übergangen. In meinen Augen mit voller Berechtigung. Es ist ja quasi ein seehr schlechter Witz, wenn im Stadion noch dunkelhäutige Gegenspieler mit Affenlauten und "Scheiß-N*****"-Rufen diffamiert werden und das ein Großteil der Kurve unkommentiert lässt, oder das an einem Spieltag innerhalb der "Internationalen Wochen gegen Rassismus", wie am vergangenen Samstag, nach wenigen Minuten von den gleichen Leuten "Zick-zack-Zi********" gerufen wird, die vorher noch heuchlerisch für Toleranz und gegen Rechts aufgestanden sind.

Zweiten, eines der meist gehörten und gelesenen Kommentare von Anti-Ultras-Menschen ist, dass Politik in der Kurve nichts zu suchen hat. Ich habe schon an anderen Stellen und vehement darauf hingewiesen, und dankenswerterweise bekomme ich da auch von Christoph Ruf ("Kurvenrebellen") Unterstützung, dass diese Phrase vor allem eine Phrase rechter Gesinnungsgenossen ist. Wer vor knapp zwei Jahren noch die Ultra-Initiative, im Übrigen auch unterstützt und initiiert von der Duisburger Ultraszene, "12:12" unterstützt hat, in dem er die ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden einer jeden Partie geschwiegen hat, sollte mehr als klar werden, dass Politik zu jeder Zeit und immer Teil der Kurven im Fußball ist.

Klar lässt sich auch sagen, dass die Kurve ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, somit wundert es nicht, dass der 3-4%-große Anteil rechter Wähler leider auch den Weg zum MSV finden. Dass rechte Gruppierungen schon lange die Kurven deutscher Stadien im Blick haben, dürfte nichts Neues sein. Dass die totgeglaubten Hooligans, oft kombiniert mit rechtem Gesinnungsgut, wieder den Weg in die Stadien finden und ihre alten "Machtansprüche" geltend machen, oft mit der Gewalt gegen die sich viele Ultras stark machen, genauso wenig. Dass das Fan-Problem, anders kann man das nun nicht mehr nennen, vor allem seit dem Tod des allseits beliebten und anerkannten Fanbeauftragten zunehmend außer Kontrolle gerät, ist da nur ein weiteres Zeichen und alarmierendes Signal.

Dass es gemeinsam um einen Verein geht, wo man sinnvollerweise in schweren Zeiten Kräfte bündeln sollte, auch über persönliche "Machtansprüche" hinaus, scheinen viele aus den Augen zu verlieren. Und wie Stimmung aussieht, wenn die Ultras nicht mehr mitmachen, sondern beispielsweise "der Oberrang" selbst verantwortlich ist für die Stimmung, sah sich in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit gegen Kiel an die "12:12"-Zeiten erinnert. Es wird Zeit, dass insbesondere die Kritiker sich mal in ihrem Ton einigen und gemeinsam vor allem gegen die rechten Tendenzen in der Kurve vorgehen.

Ich weiß jedenfalls, und soviel Politik in der Kurve nehme ich mir raus, dass ich in einer rechten Kurve, die eben keine Vielfalt an Fansein unterstützt, keinen Platz mehr haben werde und ich dem MSV dann beinahe wünsche, dass er am Ende des Monats insolvent geht, damit mir wenigstens nur die guten Dinge in Erinnerung bleiben.

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