Mittwoch, 16. Oktober 2013

Aus gegebenem Anlass...

Leider konnte ich ja nicht dabei sein, habe mir aber inzwischen sagen lassen, dass das Konzert von Kreftich, Weekly Carouse und anderen im Rahmen des "Fünften volkstümlichen Festivals der Punkmusik" im Oberhausener "Druckluft" durchaus sehens- und hörenswert war.

Entscheidender für diesen Eintrag ist aber die Tatsache, dass das Konzert eigentlich in der altehrwürdigen "Stockumer Schule" zu Voerde am Niederrhein stattfinden sollte. Der Haken war allerdings, dass die Stadt (unklar ist hierbei allerdings, wer genau, ob Kommunalbetrieb Voerde oder das Amt für Kultur) den Menschen der "Stockumer Schule" den Konzertabend untersagt haben und zudem mit der Kündigung des Nutzungsvertrags drohten. Insbesondere der Beigeordnete Herr Limke wirft den Machern des alternativen Jugendzentrums ein Versagen vor, dass niemand im Vorstand wisse, was in der "Stockumer Schule" passiere.

Anlass für diesen Eklat, anders kann man die erzwungene Absage eine Festivals mit fünf Bands nicht bezeichnen, soll ein Vorfall zwei Wochen vorher gewesen sein. Entgegen der Genehmigungen, allerdings wohl in guter, alter Tradition, übernachteten einige Besucher in der Hausmeisterwohnung in der "Stockumer Schule". Wo mehrere Menschen zusammen sind, kann es mal lauter werden. Grund genug für den geschätzten Nachbarn der "Stockumer Schule", die örtliche Schutzmacht zu alarmieren und auf die Einhaltung seiner Nachtruhe zu bestehen. So wurde die Musik wohl nach Eintreffen der Blauuniformen herunter gedreht und die Fenster geschlossen. Was nun passiert sein soll, ist sicher als Provokation gedacht und hat als solche auch ihre Wirkung nicht verfehlt. So fühlten sich die Nachgäste dazu berufen, die Fenster zum Nachbarn mit allerlei Bannern und Fahnen zu verzieren. So soll auf diesen Banners ein Zeichen der Hausbesetzerszene zu sehen gewesen sein (Aus reinem Interesse wäre ich mal neugierig, wie das aussieht!). Zudem sei der Slogan "Still not loving Police" und die Worte "Antifa" und "Ultra" zu lesen gewesen sein. Diese Banner und Schriftzüge seien Anlass genug, so lässt sich der Beigeordnete Limke in seinem Brief zitieren, den Staatsschutz ermitteln zu lassen.

Nun stellen sich mir zwei Fragen:
1) Was hat der Begriff "Ultra" im Zusammenhang einer politischen Äußerung zu tun und seit wann sind Antifa-Gruppierungen immer schon proforma als staatsgefährdend und staatsfeindlich einzuschätzen?
2) Müssen solche Provokationen sein, wenn man ohnehin schon seit Monaten und Jahren immer wieder Stress und Ärger mit dem geliebte Nachbarn hat?

Noch einige Erläuterungen zu 2): Sicher, dass man es als Nachbar eines Jugendzentrums schon mal schwer hat, und es nicht immer um 22 Uhr mucksmäuschen still ist, dürfte klar sein. Dass man mit fortschreitendem Alter vielleicht auch etwas sensibler in den Schlaf findet, okay! Aber die Situation ist nun mal wie sie ist, und da sollten beide Seiten, "die Macher" der "Stockumer Schule" und der Nachbar, einen Weg finden, tolerant miteinander umzugehen. Und mal ganz ehrlich, wenn sich ein Konzertbesucher des Nächtens dazu berufen fühlt, seine Freude über einen gelungenen, musikalischen Abend in die Nacht zu schreien, dann kann da kein Macher der "Stockumer Schule" etwas für, außer dass sie sicher sein können, ein gutes Programm zu machen. Doch einerseits beschwert man sich über herumlungernde Jugendliche in den Straßen, doch wenn sie dann von der eigenen Haustüre in einigermaßen geordneten Bahnen sogar Sinnvolles machen, dann doch bitte nicht vor meiner Haustüre!?

Finde es jedenfalls ein trauriges Zeichen, insbesondere auch für die politische Ausrichtung und das Selbstbild einer Stadt, wenn man nach Vorfällen wie Ruhestörung (Dieses Problem gibt es schließlich schon seit Bestehen der Stockumer Schule!) einem alternativen Jugendzentrum mit der Schließung droht, Bands ihre Plattenpremieren aus ihren Heimatorten in Nachbarstädte verlegen müssen und man indirekt deutlich macht, dass einem die pöbelnden Glatzen am Bahnhof lieber sind, als ein paar musizierende Punker...

WICHTIG: Hätte gerne Herrn Limke dazu befragt, wie es zu dieser Einschätzung kommt und mich persönlich mit ihm ausgetauscht, aber leider ist die Homepage der Stadt Voerde, und damit auch die Emailadresse des Beigeordneten mindestens seit letzten Donnerstag offline wegen Wartungsarbeiten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

1 Kommentar:

  1. Täglicher_Stock_Besucher16. Oktober 2013 um 05:37

    Sehr schöner Beitrag lediglich 2 Sachen, die etwas anders waren: Die "Banner" wurden nicht wie besagt Richtung Nachbar auf gehangen, sondern Richtung große Wiese (Richtung Gewerbegebiet) und die Polizei musste niemanden auffordern die Musik leise zu machen.
    Dadurch, dass die Fenster und Türen bereits geschlossen waren, empfand selbst die Polizei vor Ort die Musik für angebracht und hörte diese nur sehr leise.

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