Freitag, 13. Juli 2012

Tour du Nord - Tag 4

Eigentlich ist ja heute schon der fünfte Tag, aber da gibt es erstmal den Bericht zu gestern. Der Internetstick ist nur stundenweise buchbar und ich befürchte, der Text für heute wird mindestens genauso lang, wie der von gestern. Viel Spaß dennoch! Ach, übrigens, ich bin gerade in Norje Boke, eine feinen Campingplatz direkt an einer Bucht, etwas östlich von Kristianstad.

Hier also alles zu gestern, wo ich kein Netz hatte...

Da ist der Donnerstag auch schon so gut wie rum, und ich kann heute mal mit Fug und Recht sagen, ich habe Sparky geschafft.

Nachdem ich heute morgen schon zeitig wach war, nachdem ich in die Eigner-Kajüte im Achterschiff ausgewichen bin. Kann natürlich sein, dass der plötzliche heftige Regen daran schuld war, jedenfalls war ich einer der Ersten im SPA des Campingplatzes. Und das, obwohl ich am Abend extra noch mal zum Aussichtspunkt gegangen bin, um das bisschen Sommer des Tages einzufangen und mir anschließend direkt mal zwei (!) Duscheinheiten gegönnt habe. Plan für Zuhause: Regenwald-Dusche installieren!!!

Nachdem Frühstück ging es dann ans Zusammenpacken. Alle Schränke wieder zu und vor allem, alles Wichtige darin verstauen. Tanks leeren bzw. auffüllen und dann ging es los, nachdem ich mich natürlich ordnungsgemäß ausgecheckt habe. Mal eben den Katzensprung zum Nationalpark Darby Söderskog gefahren. Kaum angekommen, war ich ein wenig enttäuscht, denn eigentlich handelt es sich bei einem der ältesten Nationalparks in Schweden eher um einen eingezäunten Wohnungswald. Nun gut, die Wegführung ging über glitschige Holzplanken und einen so malerischen Bach gibt es in Dinslaken auch nicht, aber sei's drum. Vorgenommen ist vorgenommen!

Also die Kluft an und los. Sparky war jedenfalls bereit. War auch ganz nett, viel Wald, was man von einem Wald-Nationalpark ja durchaus erwarten kann und will. Habe auch ein paar nette Bilder gemacht und irgendwie scheint es hier in Schweden zum guten Nationalparks-Ton zu gehören, auch irgendwo ein paar Tiere einzubauen. Hier waren es nun Pferde und Kühe, die plötzlich in einiger Entfernung auftauchten. Und da, wohl auch zu Sparkys Entspannung, da blieben.

Passenderweise fing es just zum Ende unserer Runde an, fürchterlich zu gewittern und zu regnen. Da konnte es selbst Sparky mit den Matschfüßen nicht schnell genug gehen, wieder zurück im Wagen zu sein. Eigentlich sollte es nach dem Besuch im Dalby Söderskog weiter nach Ystad gehen. Aber es war erst zwölf Uhr. Zu früh, um schon den Feierabend einzuläuten. Die Alternative war, Weiterfahrt zum Stenshuvud Nationalpark. Der liegt an der Ostküste von Schonen, also quasi von der Mitte zum östlichen Rand. Gedacht, getan. Also los, was sich nachher allerdings als blöde Idee herausstellte. Dazu später mehr.

Waren nur knappe 60 Kilometer, allerdings zeitweilig auf Straßen, wo mir niemand hätte entgegen kommen dürfen, und auch nicht kam. War ich in Dalby noch beinahe allein gewesen bis auf einen Photographen und eine leider zu entfernte, möglicherweise furchtbar attraktive junge Frau, hatte ich am Stenshuvud die Rush-Hour erwischt.

Schon die Anfahrt war fast mit Stau verbunden, aber ich wusste nachher auch warum. Der Stenshuvud ist eine der höchsten Erhebungen im ohnehin schon hügeligen Schonen. Das Besondere daran ist, dass nicht nur auf dem Gipfel der Berges eine frühgeschichtliche Burg gestanden hat, sondern, dass der Wald beinahe bis zur Ostsee hinunter reicht. Vielleicht ist das ja auf einem der Bilder zu sehen. Quasi wie in Südost-Asien mit Regenwald gibt es den gleichen Effekt hier mit nordeuropäischem Wald. Doch der Reihe nach.

Also erstmal hoch zum Gipfel, und schon auf dem durchaus anstrengenden Anstieg, sah man immer wieder das Meer zwischen den Bäumen. Oben angekommen breitete sich die Ostsee zu den Füßen des geneigten Betrachters aus. Nett in Szene gesetzt durch eine dichte Baumreihe. Wie schon erwähnt, was ich nicht der einzige Gast im Park, so dass reichlich betrieb war. Von Rentnern mit Gehwagen über junge Familien mit Kinderwagen und Picknickern war alles dabei. Vom Ostgipfel ging es noch mal weiter zum etwas höheren Nordgipfel, wo man den Blick nicht nur auf das Meer hat, sondern auch aus den Wald und die Gegend im Hinterland. Blöd nur, alles Wald!

Auf halben Weg hinunter wies ein Schild „Naturuum via fynen“. Das „Naturuum“ war quasi der Startpunkt für alle, sprich ein kleines Museum zur Geschichte des Parks und des Stenshuvud. 2,1 Kilometer wies das Schild weiter aus. Also los, wir haben ja Zeit, der Hund hatte Bock auf laufen, und ich auch.

Was nicht auf dem Schild stand, dass es erstmal ziemlich bergab ging über Treppen und Stiegen. Kein Thema, schnell erledigt, aber unten führte der Weg mal mehr, mal minder über Steine jeglicher Größe und Form. Rund, eckig, und spitz, alles dabei. Da machte den Gang etwas schwierig, aber ich kann berichten, dass die neuen Wanderschuhe sich ganz prima gemacht haben, und noch nicht kaputt sind. So führte der Weg quasi von der Westseite einmal um den Stenshuvud herum. Nach gut einer Stunde sind wir dann am Stenshuvud Fyr angekommen. Ein kleiner Leuchtturm der plötzlich vor uns stand, mitten in einem Meer schroffer Felsen und mit Blick auf die Ostsee. Einmal halb herum geklettert und das Meer lang vor uns. Pause.

Im Hintergrund grollte und donnerte es immer wieder und ich hatte mir gesagt, wenn es anfängt zu regnen, geht es weiter. Fing es aber nicht, sondern der Regen zog artig vorbei. Als ich dann aber wieder aufgebrochen bin, wäre ich fast in einen Baum mit Blumen gefallen. War mir vorher gar nicht aufgefallen, aber das müssen wohl die Wild-Orchideen sein, von denen ich irgendwo gelesen hatte. Krass. Oft ist es ja so, dass man Dinge erst sieht, wenn sie einmal entdeckt hat. Überall auf den Bäumen waren Blüten zu sehen, verrückt. Ob es nun wirklich Orchideen sind, keine Ahnung, Botaniker vor, aber ich fand es gut. Ein paar Schritte weiter und die Steine waren verschwunden und vor uns lag ein Sandstrand. Aber nicht nur ein bisschen Sand, nein, richtig feiner, amtlicher geprüfter Badestrand-Sand. Apropros baden, die harten Schweden-Kinder haben dann direkt mal durchgezogen, bei geschätzten 18° Außentemperatur und haben sich in die Fluten geworfen. Ich konnte nur kurz gucken, der Hund sollte da nicht rumrennen, so konnte ich keinen Test machen.

Ohnehin, alle Madigmacher zum Thema Hunde in Schweden, Unsinn! Klar, dass man den Hund nicht überall rumrennen lassen darf, und er nun mal an die Leine gehört. Aber im Gegensatz zu Deutschland, habe ich hier noch auf keinem Platz für den Vierbeiner mehr bezahlen müssen. Bin nicht mal danach gefragt worden, sondern habe immer artig nachgefragt, wie das mit dem Hund sei, alles kein Problem. „No problem!“

Nach einer zweiten Rast mit „Power-Napping“ auf der Bank, ging es dann wieder ins Mobil. Auf nach Ystad. 35 Kilometer später stand ich als fünftes Wohnmobil vor der Anmeldung. Am Camping-Centrum baute gerade ein Band auf, ältere Herren in roten Hemden und schwarzen Hosen. Die Entscheidung war getroffen, in Tomelilla hatte ich doch einen Campingplatz gesehen. Also 20 Kilometer zurück und eingecheckt mit einer Mischung aus Englisch, Deutsch, Schwedisch hatte ich einen Platz zur freien Auswahl.

Auch hier bewies ich heute Können. Ich parkte gegenüber von drei wohl dauerhaft abgestellten Wohnwagen. Nach zwei Minuten steckte die mittlere Dame den Kopf aus dem Wagen, nachder ihr hässlicher Puddel angeschlagen hatte, der draußen angebunden war. Filzhaare, Jogger, siffiges rotes Shirt. Wie? Ist hier Schlacke!? 30 Sekunden später betrat die Dame von rechts die Szene. Die Struwelpetermatte wurde nur noch durch den Ganzkörper-Nicki-Overall getoppt. Echt! Schlacke! Aus dem Vorzelt von ganz links hörte ich nur Geplapper. Also schon mal Campingstühle aufgebaut, Strom anschließen, Füße hoch. Nach einer Runde Hundekraul, wollte ich mich ans Kochen machen, als plötzlich ein junger Mann vor dem Geplapper-Vorzelt aufgetaucht war. Dreckiges, weißes Tshirt und die Blue Jeans knapp bis unter die Achseln hochgezogen, Shirt natürlich eingesteckt. Im Schlepptau tauchte Plapper-Tante auf. Hotpants und ein schwarzes Shirt, wellige Haare wie mit dem Brenneisen gemacht, leider war es bei gewollt geblieben. Denn gut sah das nicht mehr aus, die Matte, rund um das Gesicht, dass auch im Lexikon neben Inzucht stehen könnte, um an dieser Stelle mal Nagel zu zitieren. Da sprach Plapper-Tante mich an und nachdem ich klar gemacht hatte, dass ich sie auch beim wiederholen der immer gleichen Sätze nicht verstehen werde, schoss es messerscharf aus ihr heraus: „Can I clap the dog?“ Ich wollte schon ausholen, aber die mit dem Satz einhergehende Geste ließ auf die Verbindung „Clap → Streicheln“ schließen.

Hatte ich erwähnt, dass der Platz zwischen einem Motorcross-Platz und Skanes größstem Vergnügungspark liegt? Natürlich feiern die Motorcrosser, die wohl alle ihren Jahresurlaub mit ihren Familien an der Rennstrecke verbringen, gerade. Aber mal ehrlich. Gibt es etwas wie eine universale Hitliste für wilde Partys auf Campingplätzen? Oder sind hier „Mr. Vain“ und „I got five on it“ gerade erst modern!? Dachte, die Schweden sind immer so hipster... Ich könnte ja noch soviel schreiben, zumal ich mir die sanitären Einrichtungen hier noch nicht zu Gemüte geführt habe, die besten Geschichten liegen auffe Straße, man muss sie nur aufheben, um hier mal den großartigen Frank Goosen zu entlehnen...



1 Kommentar:

  1. Ein Träumchen die Fotos.
    Und die nette Campinggesellschaft.. ein bisschen Heimat in Schweden oder?
    Mr. Vain.. muahahaha.. herrlich.. hat's der Song also auch bis Schweden geschafft :D

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