Sonntag, 15. Juli 2012

Tour du Nord - der siebte Tag

Weiter geht die Reise... dieses Mal war ich schon in aller Herrgotts Frühe wach, sprich um halb neun. Zur Begrüßung in den neuen Tag hat der Hund direkt mal in das Mobil gekotzt, dankenswerterweise „nur“ ein bisschen Grünzeug vom Vorabend, wo er unbedingt noch seiner Schäfchen-Leidenschaft nachgehen musste.

Schnell Kaffeekochen, frühstücken und dann, obacht, duschen gehen. Ich meine es, ist ja nicht so verwunderlich, dass man als allein reisender Mensch schon mal kleine Abstriche in Sachen Körperpflege machen kann. In den ersten drei, vier Tagen habe ich auf die Rasur verzichtet, was mich auf den meisten Selbstportraits mit dem Flaum eines Pubertierenden verzierte. Doch nach drei Tagen ohne Dusche war meine persönliche Schmerzgrenze in Sachen „Aushalten der eigenen Körperlichkeit“ noch nicht erreicht, aber die Haare, bisher dann immer gut versteckt mit einer Kappe oder ähnlicher Kopfbedeckung, stand heute Morgen tatsächlich eigenständig. Blöd nur, dass die einzelnen Haarsträhnen sich nicht auf eine Richtung hatten einigen können.

Frisch geschrubbt und frisiert habe ich dann mal alles abgebaut und verstaut, und auf dem Weg zur Rezeption fielt mir zunächst auf, dass ich die Kleiderschrank-Türe nicht wieder verriegelt hatte. Kurz vor dem Rezepionshäuschen segelte dann aber die Kaffeekanne aus der Kaffeemaschine zu Boden. Irgendwas hatte ich also vergessen. Die ist zwar nicht in tausende Teile zersprungen, aber die Kanne ist hinüber und damit die Kaffeemaschine für den Rest der Zeit nicht mehr zu gebrauchen.

Wie dem auch sein, nach begleichen der fairen Rechnung und dem zweiten Tanken mit Karten-Zahlung, wieder habe ich nur knapp 30 Liter Sprit bekommen, ging es also die paar Kilometer nach Karlshamn. Dort konnte ich in unmittelbarer Nähe des Touristikbüros kostenlos am Kai parken. So viel zur Servicelandschaft Schwedens. Zeit also für den ersten Stadtbummel, wenn man es denn so nennen kann.

Die kleine Stadt Karlshamn, wohl frei mit „Dem Karl seinen Hafen“ zu übersetzen, besticht durch einen Schachbrettmuster-Altstadtgrundriss aller erster Güte. Mittig eingebettet das Rathaus, gegenüber die „Carls Gustavs Kyrka“ und ja, da muss ich ehrlich sein, das war es dann auch schon. Schön sind allerdings die vielen, kleinen, kunterbunten Stadthäuschen. Nur leider geht das auch nur sehr bedingt, wo viele Menschen auf wenig Platz wohnen wollen, muss man eben nach oben bauen. Dennoch kann sich vor allem der am Wasser gelegene Rosengarten und der „Hamnparken“ sehen lassen und entschädigt für die Wohnbebauung a la Osterfeld.

Nach gut eineinhalb Stunden war der Drops gelutscht, oder „Dem Karl seinen Hafen“ bewandert. Noch schnell zum Touri-Radikal-Shoppen in das Touristikbüro, wo es im Übrigen kostenlose Ministadtpläne schon außen an der Türe zu ziehen gab. Einige Kronen ärmer ging es dann weiter in Richtung Växjö, genauer nach Tingsryd.

Schon die Fahrt dorthin machte klar, dass ich nun die Touristikzentren an der Küste verlassen würde, die wohl auch von den Schweden selbst besonders gerne angefahren werden. Die Straßen wurden zwar nicht schmaler, aber dafür umso leerer. Kilometerlang konnte ich ohne Fremdverkehr auskommen, zum Teil schnurrgerade Straßen, wo man schon lange vorher sehen konnte, wer mir entgegen kommt und wer mich gleich überholen würde. Einzige Überraschung auf der Strecke, ein rasender Motorradfahrer der die Gunst der leeren Straßen nutzte und an mir vorbeirauschte, noch bevor ich ihn im Spiegel gesehen hatte.

Der Campingplatz ist hervorragend ausgestattet. Mal wieder habe ich einen Stellplatz, wo ich auf den See schauen kann. Langsam wird das echt nervig. Den Nachmittag habe ich mit Lesen und einer kurzen Hunderunde verbracht, bei wechselhaftem Wetter zwischen eisigem Wind, strahlendem Sonnenschein und düsteren, aber bisher regenlosen Wolken.
Morgen werde ich wohl mal eine etwas längere Wanderung machen, die Stadt Tingsryd ist nur maximal zwei Kilometer entfernt, und einkaufen müsste ich ohnehin mal wieder, das Brot ist inzwischen zu einer Frühstücks-Portion geschrumpft.

Im Übrigen habe ich in den letzten Tagen schon festgestellt, dass Schweden an sich, gar nicht so besonders teuer ist, wie man bei uns gerne behauptet. Meine bisherigen Einkäufe sprengten nie den Rahmen, den auch deutsche Supermärkte vorgeben würden. Für den konkreten Vergleich sollte ich doch mal einen schwedischen Lidl betreten.

Der Hund macht sich bisher übrigens einigermaßen gut, auch wenn er mir bei Spaziergängen am Wasser oder mit Menschen mitunter den letzten Nerv raubt. Nachdem Motorcross-Campingplatz habe ich ihm am folgenden Tag, inklusive Nachtstunden fünf Zecken entfernen müssen, aber er ist sehr genügsam und geduldig, wenn ich wieder anhalten muss zum Bilder machen.

Heute könnte so etwas wie Bergfest sein, jedenfalls bin ich nun seit gut einer Woche unterwegs und spiele schon mit dem Gedanken, meine Rückreise langsam zu planen. Aber noch habe ich Lust und Laune. Adjö aus Schweden!


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