Donnerstag, 1. Dezember 2011

Wenn Richter reden...

Am Dienstag hielt der Verfassungsrichter Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio seine Antrittsvorlesung an der Universität Duisburg-Essen. Damit kam er den Verpflichtungen nach, die er als amtierender Inhaber der Mercatorprofessur zu erfüllen hat. Meine liebe Tante und ihr Mann wollten eigentlich meinen Herrn Vater mitschleppen, zumal Herr Di Fabio nicht nur aus unserer Gegend kommt, sondern mit meinen Verwandten sogar gemeinsam zur Schule gegangen ist.

Das Thema des Abends war "Politik und Wirtschaft. Wer regiert wirklich?". Ein Thema, was ja in Tagen der Occupy-Bewegung durchaus Relevanz besitzt. So entwickelte der Richter einen großen Bogen von den historischen Entwicklungen von der mittelalterlichen agrar-feudalen Hierarchie bis zur ausdifferenzierten, modernen Industriegeseelschaft. Als promovierter Jurist und Soziologe hielt er seinen Vortrag keineswegs "unterkomplex", sondern ballerte gewaltig mit der Fremdwort-Kanone, sprach von der "Ko-Evolution der Funktionssysteme" und der "Entdifferenzierung".

Ein anspruchsvoller Vortrag, der mit dem Kernsatz schloss, dass die heutige Krise ein moralische Problem ist, das gelöst werden kann, diese Lösung aber abhängig davon sei, welchen Begriff von Freiheit man zu Grunde lege. So drückte sich Di Fabio auch vor einer klaren Antwort auf die Ausgangsfrage seines Vortrags. Vielmehr wandelte er sie, in dem er konstatierte, dass es viel wichtiger sei zu fragen, wie heute regiert werde. Sein Konzept zur Lösung sehe ein neue Bescheidenheit vor: "Denn ist es wirklich möglich und notwendig, dass die sich entwickelnden Funktionssysteme unendliche weiter wachsen?" So könne aber weder eine absolute Freiheit aller Märkte und Systeme eine Lösung sein, aber auch nicht die totale Einengung wie beispielsweise bei einer Planwirtschaft.

Der nächste Termin für Neugierige und Interessierte ist der 26. Januar 2012, wo Di Fabio im Audimax der Essener Hochschule sprechen wird. Den Vortrag von Dienstag findet man auch noch im Netz, genauer hier.

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