Dienstag, 4. Oktober 2011

Über die Kunst, sich nicht an Hexenjagden zu beteiligen

Was ein merkwürdiges Wochenende... klar, nicht nur wegen des Wetters. An mehr als 25° im Oktober (!) kann man sich ja durchaus gewöhnen, wenn auch widerwillig. Hatte ich doch gehofft, dass das Schwitzen in diesem Jahr an mir vorüber geht.

Ich meine damit eher das, was mich am Wochenende alles ereilt oder beschäftigt hat. Meine Arbeitstermine waren ja gleichmäßig verteilt. Jeden Tag einen Termin, das ging. Da habe ich mal an einem Wochenende sogar die Abende frei, und ich sitze daheim und arbeite mich durch die ersten Schritte eines bekannten Bild-Bearbeitungsprogramms. Der Fernseher läuft, die Wäsche stapelt sich, die frisch gestrichenen Fenster trocken leise vor sich hin und am ersten Oktober sticht dich eine Mücke. Also wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man glatt meinen ich sein ein einsamer, kleiner Wicht.


Die eigentliche Herausforderung kam aber am Sonntagnachmittag auf mich zu. Da spielt mein Team wider Erwarten gut und kämpferisch, hat phasenweise mehr Ballbesitz als die SED bei den freien Wahlen im sozialistischen Einheitsstaat an Wahlprozenten und dann rutscht dem Keeper zehn Minuten vor Ende ein Ball in die Maschen.

Augenblicklich schlug die Stimmung von "vorsichtig-optimistisch" in "aggressiv-zerstörerisch" um. Erboste Stadionbesucher schimpften auf Mannschaft, Verein und vor allem auf den Trainer. Dazu mischte sich die eigene Enttäuschung mit dem Willen, dass doch endlich mal was passieren muss. Als sich dann mehrere hundert Zuschauer zusammenfanden und den Trainer mit sportart-typischer Manier wieder für den freien Arbeitsmarkt freisetzen wollten, keimt der Wunsch auf, einzustimmen. Doch ist das anständig? Bin ich noch Fan, wenn ich einstimme, oder nur, wenn ich nicht einstimme?

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