Mittwoch, 26. Oktober 2011

Hanse-Tour Tag zwei und drei

So, einen Tag geschludert, also zur Strafe direkt zwei Tage am Stück!

Am Dienstag ging es zeitig in Richtung Kiel weiter. Auf die A1, oder war es die zwei, weiß der Geier, jedenfalls ging es los. Schon nach wenigen Kilometern stellten wir dann fest, dass die gesamte Autobahn eigentlich bis Hamburg nur aus Baustelle bestand. Ein Hoch darauf, dass ich mal nicht der Fahrer war.

Vor Hamburg stellte sich dann die große Frage: Tunnel oder Brücke! Das Navi sagte Tunnel, also Tunnel, so konnte ich wenigstens von der Brücke ein paar verwackelte Bilder vor trübem Himmel machen. Weiter ging es Richtung Norden, und mit uns der Wind. Als wird dann in Kiel ankamen, blies es schon ziemlich sehr und vor allem eiskalt.

Der Stellplatz für zwei Tage sollte ein eher rustikal geführter Platz werden, von der Stadt offiziell als Wohnmobilstellplatz ausgezeichnet, der direkt an der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals zur Kieler Förde liegt. Das klingt nicht nur spannend, das ist es auch, denn mitunter fahren hier Schiffe vorbei, die die Höhe eines mehrstöckigen Hauses haben. Nachteil, stellten wir in der Nacht fest, die Schleuse hat beinahe durchgängigen Betrieb. Und eines ist sicher, Schiffsdiesel sind nicht wirklich ein Beitrag zur Lärmreduzierung.

Nach einem kurzen Einkauf und der ersten Orientierung im Kieler Hafengebiet, zwischen Bundesmarine und Rüstungsbauern, ging es wieder auf die Räder. Ein tolle Erfindung, übrigens... In Richtung Schleuse und Schiffen beim Schleusen zu sehen. Klingt nicht spannend, war es auch nur bedingt, was allein an der Größe der Schiffe lag. Anschließend ging es mit einer kostenlosen Fähre rüber auf das Nordufer, was anno dazumal dänisch gewesen sein soll. Dort fuhren wir bis zum Ehrenmal Kaiser Wilhelms, der vor mehr als hundert Jahren, den Kanal „dem Weltverkehr“ freigegeben hat.

Dann ging es zurück, weil ich inzwischen ein Eiszapfen war, dem Wind sei dank. In der Butze wurde dann amtlich gekocht, natürlich Nudeln mit Hackfleisch und ich war um neun (!) in meiner Koje und habe geratzt, daher gab es gestern auch keinen Post.

Heute haben die Herren Roadcowboys (Gruß an meinen Bruder!) mal gepflegt ausgeschlafen, nach einem feudalen Frühstück mit Ei, Marmelade und bestem Kaffee. Bei leichtem Sonnenschein, und nicht mehr ganz so fiesem Wind enterten wir die Stadt Kiel, die, um es mal deutlich zu sagen, nicht wirklich zu meinen neuen Lieblingsstädten zählt. Die Anlegekais für die großen Fährschiffe, na gut, Bahnhof, och joa, Innenstadt, ja, so wie alle Innenstädte. Einziger Lichtblick war der Kleine Kieler, zwei Seen rund um die Altstadt, mit Opernhaus, altem Rathaus und, ja, ich nehme sie mal als Höhepunkt auf, die Ostseehalle. Nach einem günstigen, aber leckeren Mittagessen im Ratkeller, Wildragout und Ostseebutt, bummelten wir kurz am IFW – Geomar vorbei ins Aquarium. Zwischenstopp im Wohnmobil, dann ging es zum Stadion.

Die Partie zwischen den Störchen und den Zebras war im Vorfeld in Kiel schon groß beworben worden. Leider machte der KSW Holstein Kiel ihre Drohung war und „zogen den Zebras die Zebrastreifen ab“. Zur Partie will ich lieber mal nichts sagen. Bis zum 0:1 war ich schon heiser, wohl aber auch als einziger Zuschauer auf MSV-Seite. Was dann passierte war weder schön, noch vernünftig, aber wohl Ausdruck der kollektiven Hilfslosigkeit beim Meidericher Spielverein. Die „Zuschauer“ tobten sich am Zaun aus, die mutigen Spieler, die nach dem Schlusspfiff doch in die Kurve kamen, wurden zum Teil mit Gegenständen beworfen und auf das Übelste beschimpft. Das ist weder hilfreich, noch würde ich mir als Spieler für solche Vollpfosten beim nächsten Spiel den Arsch aufreißen.

Klar, dass etwas passieren muss, das dürfte jedem klar sein, aber dem MSV bleiben wohl die Arme gebunden, weil die Finanzlage zu eng ist. Schade, aber ich befürchte, diese Saison müssen wir Fans durchstehen, ob wir das wollen oder nicht.

Morgen wird es aller Voraussicht nach Lübeck weiter gehen, vielleicht schaffen wir es dann auch mal wieder zu duschen. Denn der Platz hier hat merkwürdige Öffnungszeiten für die Sanitäreinrichtungen, aber Männer stört das ja nicht. Auf dem Rückweg vom Stadion ist mir übrigens aufgefallen, dass Kiel und seine Straßen stark an meiner Erfahrungen im Osten erinnert. Die Straßen sind sehr breit, es gibt tolle Radwege, Bäume und Grünzeug, wohin man blickt, und alles sehr mondän. Kann natürlich sein, dass es daran liegt, dass hier beinahe nur Kasernenbau aus alter Zeit vorherrscht, aber sei es drum... bis auf die Rückfahrt vom Stadion mit dem Rad, ist Kiel wohl keine Reise mehr wert.




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