Montag, 10. Oktober 2011

Der alte Mann und seine Stadt

Ich hatte es ja angekündigt, dass bald mal eine Plattenkritik erscheinen soll auf diesem herrlichen Blog...

Nun sei vorweg gesagt, dass ich im Grunde keine Ahnung habe von Musik. Ich spiele kein Instrument, außer Fingerpfeife und drei Akkorde auf der Gitarre. Aber oft geht es ja bei Musik vor allem um das Gefühl, die Musik auslöst, bestärkt, umkehrt. Ich glaube, bei solchen Sachen, bin ich hingegen ganz gut.

Gänsehaut gibt es jedenfalls auf dem Doppelalbum "Udo Lindenberg - MTV Unplugged" genug und reichlich. Ich muss sagen, dass ich Udo Lindenberg bisher nur von einer alten LP meines Vaters kannte. Als 12-jähriger war das die einzige Platte mit der ich was anfangen konnte, weil ich immerhin verstand, was dieser Typ mit der nasalen Stimme da sang. Vielleicht begründet das auch meine Vorliebe für deutschsprachige Musik.

Dann kam vor drei Jahren das Album "Stark wie zwei" auf den Markt und Udo Lindenberg war seit langer Zeit wieder ein Faktor in den Charts und gewann neue Fans hinzu. Namhafte deutschsprachige Künstler nahmen sich Titel vor und sorgten für einen wahren Hype. Entsprechend vorsichtig bin ich in der Regel, wenn dann plötzlich ein "Unplugged"-Album erscheint. So war ich von der Mando Diao-Scheibe beispielsweise etwas enttäuscht.

So pirscht sich auch das Doppelalbum des Altmeister ganz langsam an. Nach dem poetisch-orchestralen Auftakt mit "Die Bühne ist bereitet" scheint Lindenberg vor allem die alten, ruhigen Songs abzuarbeiten. Fast schon biographisch reihen sich das neuere "Mein Ding" und "Er wollte nach London" aneinander, gewürzt mit einem wirklich herzlichen Dressing mit "Gegen die Strömung", einer wirklichen Liebeshmyne. Nicht nur, dass sie mit Sätze besticht wie "Ich geh' mit dir durch dick und dünn, aber nicht durch dick und doof", erstmal ist auf der Scheibe ein Gast zu hören. Mit Jennifer West von Jennifer Rostock macht Lindenberg gleichsam die Grätsche zwischen Alt und Neu.

Ohnehin muss man sagen, dass das Album, bis auf wenige Ausnahmen, von den Gästen lebt. Max Herre, Alina Süggeler und Andi Weizel (Frida Gold)), die Coolen Elbstreicher, Drumer Juri Voutta oder Inga Humpe setzen die ersten Höhepunkte. Aber die erste CD wirkt insgesamt erwachsener, reifer, gesetzter, ohne dabei langweilig zu sein.

Trotzdem bekommt man den Eindruck nicht los, dass die zweite CD erst richtig durchstartet. "Reeperbahn" (mit Jan Delay), "Jonny Controlletti" und "Honky Tonky Show" (beide mit Stefan Raab), "Cello" (mit Clues), "Horizont", wer nicht aufpasst, dem werden glatt Federn wachsen. Die eingeladenen Künstler passen so hervorragend zur schnodderigen, nasalen Art von Lindenberg, dass man in wenigen Takten merkt, dass da etwas besonderes passiert. Entweder haben die Herrschaften das gut gemischt, aber den ausgesuchten Zuhörern scheint es ebenfalls so zu gehen, wenn spontan Jubel und Applaus ausbricht. Als Lindenberg dann auch noch die alten Mitstreiter aus der Panikorchester-Zeit auf die Bühne bittet, ist klar, dass hier ganze Arbeit geleistet wird.

Lindenberg schafft es auch hier problemlos, sein Ding durchzuziehen. Einziger Wermutstropfen der Scheibe: Es gibt sie leider nicht als vierfach Vinyl, dann würde sich mein Bogen zu Lindenberg jedenfalls wieder schließen. Aber auch für die Nicht-Lindenberg-Fans sei es gesagt, niemals wird man mehr und besser vom reichhaltigen Oevre des Wahl-Hamburgers kennen lernen können. Tipp: Reinhören oder wenigstens mal bei Internet-Video-Anbietern reinsehen...

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