Mittwoch, 12. Oktober 2011

Casper-ei!?

Zack! Schon wieder eine Plattenbesprechung, kein Angst, dann wird es wohl erstmal eine Weile dauern, obwohl man ja auch mal Klassiker besprechen könnte, oder?!

Heute geht es jedenfalls um das vielbesprochene erste Album "XOXO" des FourMusic-Künstlers Casper. Im Vorfeld war viel davon zu lesen, dass er den deutschsprachigen HipHop und Rap rettet und den Weg für die Zukunft bereitet. Mein Fazit nach inzwischen fünfmaligem Hören: Der gute Junge kann sich leider nicht entscheiden, was er denn nun will. Rap oder Rock!?

Aber der Reihe nach... ein atmosphärisch-dichter Auftakt, der deutlich mehr an ein Intro zu einer Rock-Platte erinnert. Spontan fällt mir die späte Zeit von Such a Surge dazu ein. Okay, die Strophen bleiben, sprechgesugen, und nahtloser Schnitt in das zweite Stück des Albums. Soweit so gut, ungewohnt, aber noch ganz erträglich.

Mein ersten Highlight ist dann der Titelsong "XOXO", passenderweise mit Thees Uhlmann, jenem Sänger von "Tomte". In der Tat ein durch und durch eingängiges Lied mit einem rockigen Refrain. "Wir liegen lachend in den Trümmern und fühl'n uns frei, wir sind 30 Fuß high und steigend..." Aber auch hier vermisst der geneigte Kopfknicker ordentliche HipHop-Beats und Scratches, ganz schön allerdings die Tattoo-Metaphern, die so manchem ein Licht werden aufgehen lassen, was sie sich da unter die Haut haben stechen lassen.

So poetisch Songs wie "Alaska" auch sind, so richtig will der Funke nicht überspringen, zumindest beim ersten Hören. Vielleicht liegt es an den sehr eigenen Texten Casper, was manchmal ein wenig bemüht klingt. So als wollte er es um jeden Preis verhindern, dass man die nächste Textzeile schon kennen könnte. Leider beweist Caspar dann aber wirklich kein glückliches Händchen ein kämpferisches Lied wie Track sieben ausgerechnet "Das Grizzly-Lied" zu nennen. Was mehr nach "Es war einmal..." klingt, entpuppt sich als existenzialistische Homage an seinen Vater.

Die Zusammenarbeit mit Marteria bei der ausgekoppelten Single "So perfekt" gehört genauso zu dem Gefühl des Nicht-wissen-was-man-will, was man schon nach den ersten beiden Titeln hat. Sie elektronischen Anklänge werden dann prompt beim nächsten Titel wieder über den Haufen geworfen. "Die letzte Gang der Stadt" könnte genauso gut von Kraftclub sein. Eingängig, mitsingbar, keine Frage, aber mit der Erwartung, den neuen Helden der HipHop-Welt zu hören, eher contraproduktiv.

Die letzten Songs des Albums klingen dann beinahe sphärisch aus im besten Stile einer Popballade. Das ist schön und klingt auch gut, doch mit den letzten Klavier-Klängen von "Kontrolle/ Schlaf" habe ich ein wenig ratlos vor der Anlage gesessen. Sicher, Casper schafft den Spagat zwischen Pop, Elektro, HipHop, Rap und Rock. Die Texte sind manchmal etwas zu bemüht und poetisiert, aber dem Bann kann man sich nicht gänzlich entziehen. Es bleibt also dringend zu raten, selbst einmal reinzuhören, und wie so oft gilt es, gebt der Platte eine zweite Chance...

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