Montag, 21. September 2009

Bloggen? Wieso, weshalb und sowieso?

Oft stellt sich ja die Frage, ich auch schon desöfteren an mich herangetragen worden, was ist ein Blog und vor allem: Warum!? Lustigerweise habe ich mich das letztens selbst wieder gefragt, als ich festgestellt habe, dass ich meinen Blog mal wieder seit einigen Wochen nicht aktualisiert habe. Und das, wo ich selbst immer derjenige bin, der der Meinung ist, entweder aktuelle Inhalte oder lieber die Seite rausnehmen.

Da sitze ich am Samstagmorgen gemütlich beim Frühstück, der Lokalteil meines Arbeitgebers schnell abgearbeitet und dann mal durch die Überregionale blättern. Oh, Wochenend-Ausgabe, also die Wochenendbeilage nicht vergessen. Da macht sich tatsächlich auf dem Titel jemand Gedanken darüber, wieso Menschen bloggen, twittern, youtuben und flickrn. Wieso Menschen sich in Netzwerken wir Facebook oder StudiVz so viel von sich preisgeben, was über die musikalischen Vorlieben und sexuelle Neigungen hinausgeht. Bei meinen Kontakten bei Facebook ist es gerade schwer angesagt, jeden "Du bist/ du wärst-"Test mitzumachen. Sprich, die frisch fertige Pharmazeutin lässt uns wissen, welches Bakterium sie ist, und die Biologin teitl mit, dass ihre Mittelalterrolle die eines Ritters wäre, während die angehende Juristin ihren virtuellen Bauerhof bewirtschaftet und der Geologe uns mitteilt, welches Berliner Stadtteil für ihn das richtige wäre. Meines ist übrigens Friedrichshain...

Umso erfreulicher und spannender fand ich den Artikel in der Wochenendbeilage der überregionalen Tageszeitung aus München. Deren Autorin kommt zum Schluss, dass durch die Veröffentlichung von Persönlichem, die User und Veröffentlicher sich damit selbst eine Lebenssicherheit ermöglichen. Dadurch, dass ihr Leben, ihre Bewegungen, Erlebnisse, Eindrücke, Gedanken archiviert werden, schaffen sie sich zugleich einen Atlas ihres Lebens, etwas auf das sie in Zeiten, die vielen Menschen ohnehin schon zu schnell, wechselhaft und unbeständig ist. Klar, das Argument des Exihibitionimus, den Preisgebens von persönlichen Daten, damit angreifbar zu werden für Nepper, Schlepper, Bauerfänger, aber auch für Konsumanalysen und dergleichen ist natürlich damit nicht von der Hand zu weisen. Die Autorin stellt viel mehr fest, dass die Menschen dieses datenschützerische Hosen-runter-lassen bereitwillig für ein wenig Halt in Kauf genommen wird.

Damit stellten sich für mich zwei Fragen:
1)Was lässt diese Annahme über das Wesen eines Bloggers/ Facebookers/ StudiVzti oder Zwitschervogel für Schlüsse bezüglich meiner Person zu?
2)Will ich wirklich durch den Blog Halt im meinem Leben zu erzeugen und sind die Lücken in der Archivierung meines Lebens nicht eher Ausdruck davon, dass ich diesen Halt nicht brauche?

Das sind jetzt doch mehr als zwei Fragen geworden.... zu wirklichen Ergebnissen bin ich nicht gekommen. Sicher, ich weiß, dass ich mit der Veröffentlichung persönlicher Erlebnisse auch exihibitionistische Züge an den Tag lege, obwohl ich dabei mein Umfeld möglichst nicht erwähne, aus Datenschutz.. aber wie realistisch sind diese Erlebnisse dann? Dann stellt sich wohl unweigerlich die Frage nach der Authentizität. Soll ich mich nun als aus allen Netzwerken löschen? Meine Identität verfälschen? Und das, wo ich nahezu online lebe und immermal wieder Züge von Suchtverhalten entdecke? Aber ist dann der Blog nicht genau die Sache, die mich erlebbar macht? Die mir und meinen Mitmenschen zeigt, was ich mache, treibe, was bei mir los ist, was mich beschäftigt und dergleichen!?

Es ist also wie es ist. Mein Blog soll und ist kein Halt in meinem Leben, er soll vielmehr so etwas sein, wie ein Tagebuch, auch wenn es öffentlich ist. Lesen ja eh nur wenige Menschen, und noch findet man unter meinem Namen in einer der Suchmaschinen Artikel aus Zeitungen und Links zu meinem Namensvetter, dem Herr Professor der Mathematik. An dieser Stelle einen Gruß...

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