Mittwoch, 14. Januar 2009

Ein eisiger Samstag, der doch ganz warm wurde...

Samstag und in der City geht der Punk ab! Sollte man denken! Doch stattdessen empfing uns eisige Kälte. Die knapp 5 cm gefrorenes Wasser auf den Straßen machten das gehen wirklich spannend, zudem es Dank dem Einsatz von gehörigen Portionen Eis eher eine lustige Rutschpartie gab. Also sind wir erst mal los, in Richtung Berlin-Ostbahnhof. Wie der Name schon sagt, sind wir da zu Fuß hingegangen, denn wir wollten ja zur East-Side-Gallery.

Aber mal ehrlich, gelohnt hat sich das nicht wirklich. Was in meinem Reiseführer noch großartig gefeiert wird, als 1,2 km von der alten Berliner Mauer, auf der die Kunstwerke zu sehen sind, die von Künstlern und mutigen Menschen aus beiden Teilen der Stadt aufgemalt worden sind. Nur blöd, dass alle Menschen meinen, sich doch dringend mitten auf den Bildern verewigen wollen. So ist also alles zu gemalt, gekritzelt, gesprayt, schade eigentlich. An einem Durchbruch konnten wir dann die teilzugefrorene Spree sehen und die grandiose Oberbaumbrücke. Dann sind wir durch die eisige Kälte weiter Richtung Frankfurter Tor. Da haben wir uns dann mal die Fahrt zum Alex gegönnt, weil es so fürchterlich kalt war.

Auf dem Weg zurück zur Wohnung sind wir dann noch mal schnell beim Dönermann eingekehrt, ein wenig Stärkung nach diesem Marathon muss nun wirklich auch mal sein. Nur blöd, dass es nur wenige Stunden später schon wieder viel zu gutes Essen gab. Denn wir waren abends zu, neujahrsessen bei einer Freundin bzw. einem befreundeten Paar meiner Gastgeberin eingeladen gewesen. Also sind wir abends in Richtung Tiergarten aufgebrochen und dann in einen imposanten Altbau mit einem geradezu antiken Treppenhaus. Kaum angekommen, sitzen die ersten Menschen auf den Stufen und rauchen im Treppenhaus. "Die Kinder sind noch wach," heißt es kurz, dann treffe ich jede Menge Leute, versuche mir ein paar Namen zu merken, aber am eindrucksvollsten sind die beiden Gastgeber. Sie, eine quirlige Frau, die scheinabr nie zur Ruhe kommt, immer was zu erzählen hat und von Beginn an einen absolut herzlichen Eindruck macht, er, ein paar Jahre jünger als sie, ist Koch, und steht noch vor einem Stapel Windbeutel, die er mit Schokocreme füllt, als wir ankommen. In der Bibliothek ist eine bunte Tafel aufgebaut, es wird gegessen, geplaudert, gelacht, diskutiert. Einer der Gäste las dann bei den Windbeuteln aus seinem noch unvollendeten Roman. Auch wenn ich sagen muss, dass die Lippen von Frauen, die gerade geraucht haben, nur manchmal bitter nach Qualm schmecken...

Auf dem Heimweg mussten Stephie und ich uns dann erstmal ne Runde aufregen. Mir hatte sich in einem kurzen Küchengespräch erschlossen, wie es unter ostdeutschen Bundesbürgern zum geflügelten Wort des "arroganten Besser-Wessis" kommen konnte. Da war doch tatsächlich eine Trulla, die meiner Gastgeberin erzählen wollte, wie fürchterlich es doch "damals im Osten" war. "Und dann dieser Gestank. Wir hatten ja damals Katalysatoren, aber die im Osten..." Es stellte sich heraus, das die Frau aus West-Berlin kam und den Osten vor allen aus ihren Vorurteilen kannte. Ihr schlimmster Ost-Kontakt war eine Reise im Flieger mit Interflug über Prag nach Italien. Ich konnte im Augenwinkel sehen, wie die Krawatte meiner Gastgeberin, der zauberhaften Ms.F. sekündlich anschwoll. Zumal sich die Westberliner Tussi auch als Spaßresistent herausstellte. Zuvor war das Gespräch auf Vitamine und gesundes Essen gekommen, wobei sie uns belehrend darüber informierte, dass ja zuviele Vitamine auch nicht gut sein, aber sonst wäre Obst ja super, vor allem, wenn man die Schale dran ließe. Worauf ich daran erinnerte, dass es bei Bananen eher fies wäre, die Schale dran zu lassen. Damit nicht genug, sie setzte dem noch die Krone auf: "Naja, Elefanten essen die ja auch mit Schale!" Diese Art von Humor erschloss sich mir nun wieder nicht, aber gut, wir müssen ja auch keine neuen besten Freunde werden. Jedenfalls hatten wir ein gutes Gesprächsthema für die Rückfahrt. Und beinahe ohne es zu merken, hatte mein vorerst letzter Tag meines Berlin-Aufenthalts begonnen...

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