Dienstag, 20. Dezember 2016

Diese heiße Nadel oder ein Kommentar zur Betroffenheit

Der Choleriker lernt im Laufe seines Lebens, dass manche Dinge möglichweise nicht so heiß gegessen werden, wie sie gekocht werden. Autoren, unabhängig von der Branche, sollten sich dringend an den Merksatz erinnern, dass mancher Text nicht umso besser wird, je heißer die Nadel ist, mit der er gestrickt worden ist. Doch ich werde nur Lehrer und neige oft genug zu Nachsicht und dem Lass-mal-fünfe-gerade-sein-Modus. Nun muss es raus, weil es gerade (leider) wieder akut ist, es sich aber schon in den letzten Monaten angestaut hat.

Um es direkt zu sagen, ich verurteile die schreckliche Tat aus Berlin vom 19. Dezember, ich verabscheue Gewalt, insbesondere wenn es sich (möglicherweise auch hier) um religiös motivierte Taten handelt. Mein Mitgefühl gilt allen Opfern, ihren Angehörigen und Freunden, allen Helfern und Helfenden, aber auch allen Verschonten und Entronnenen. Aber was mich unglaublich aufregt, ist dieses kollektive Schüren von diffusen Ängsten, Bedrohungen und Gefährdungen, dieses aufgezwungene Trauern und die zwanghafte Suche nach Erklärungen.

Klar! Wir alle haben schon mal gehört, dass nichts mehr sicher sei. Aber war es das jemals? Ist nicht jeder Tag, an dem wir uns zur Arbeit, zur Uni, zur Schule, zum Sport, zum Einkaufen, zum Saufen, zum Feiern, zum Bummeln, zum Shoppen auf die Straße bewegen, ein Moment der potentiellen Gefährdung? Hätten die Medien wirklich Sondersendungen geschaltet, wenn statt bei einem Anschlag zufällig die gleichen Menschen an einem plötzlichen Herztod gestorben wären? Und wieso macht uns der Tod von 12 Toten in Berlin atemloser, trauernder, betroffener als die täglichen Toten von Flüchtlingen im Mittelmeer, von Zivilisten in Syrien? Leid lässt sich nicht verallgemeinern. Jeder Mensch empfindet sein Leiden als das schlimmste und kann das Leid Anderer in seinem Umfang nur ansatzweise nachvollziehen. Aber wird nicht genau das versucht? Kann man überhaupt noch "normal" leben, ohne dass man dauernd erzählt bekommt, dass große Menschenansammlungen schon gefährlich sein können. Dass man keine Rucksäcke mehr zu Konzerten mitbringen darf?  Dass "man aufpassen soll"?

Welche Erklärungen brauchen wir für eine solche Tat? Der oder die Täter haben einen mächtigen Hirnschaden, wesentliche Teile einer Religion in Gänze falsch verstanden und jegliche Menschlichkeit verloren. Aber müssen wir wirklich wissen, welchen genauen Weg der Fahrer genommen hat, als er durch die Weihnachtsmarktreihen gerast ist? Wichtiger ist die Frage, wie wir damit umgehen! Bömmermann (Man mag über ihn denken, was immer man will!) hat gestern Abend gezwitschert: KEINE ANGST! KEINEN HASS! Genau, das ist es, was wir angehen sollten. Sicher, Trauer muss sein, am meisten für die Betroffenen, aber dann heißt es Staub abwischen, Tränen trocknen lassen und dann geht es trotzdem zum nächsten Volksfest, zum nächsten Umsonst-und-draußen-OpenAir, zum Weihnachtsmarkt, Schützenfest, zur Kermes oder wo immer ihr sonst hingehen wollt. Lasst diese Pfeifen nicht gewinnen! Und vor allem, lasst euch keine Angst einreden!
Ich für meinen Teil denke mir immer, dass es passieren wird, wenn es passieren soll. Und wenn das große Ganze (Manche nennen es Gott, manche Allah, manche Jahwe, manche Buddha, Manitu (oder welche Gottwesen es noch geben mag)) beschließt, dass es Zeit wird für mich, dann ist es leider so. Aber deswegen werde ich nicht daheim bleiben! Manchmal wünsche ich, ich würde in der Situation dem Islamisten ins Gesicht lachen: "Und dein Scheiß hier verändert gar nichts, du Wurst!"

Mittwoch, 31. August 2016

Lala #1 (Beginner - Advanced Chemistry)

Willkommen in der Salatschleuder... alles Überschüssige muss raus und wie sagte jüngst jemand...

Musik geht immer, weil es schnell geht... :-)

Heute also ein paar Zeilen zur Neuanschaffung der letzten Woche... die Füchse unter euch werden es durch den Buchstabenwald haben trabsen hören...

Die Herren Eißfeld, Denyo und DJ Mad haben nach langer Wartezeit zwölf neue Titel in den Äther gehauen (Beginner - Advanced Chemistry). Und kaum waren der Auftritt beim Splash (Ahnma-Live vom Splash) abgefeiert und das schicke Video zu Es war einmal (mit vielen Sternen und Sternchen) durch das sog. Internet gejagt, ging es zum Neustart direkt mal rein in die Verkaufscharts.

Wie immer bei langerwarteten und dann endlich erschienen Alben machte sich schnell bei den Die-Hards aus den 90er-Jahren Ernüchterung breit und für die Gansta-Kids von heute ist das echt zu seicht, zu weich und so gar nicht gefährlich und provokant.

Höchste Zeit also für eine kleine Review eines 90er-Teenies...

Ahnma (feat. Gzuz & Gentleman) - Ganz ehrlich, der Sound knallt... die Nebelhörner hauen rein und Proll-Style trifft Reggae-Sound plus Hamburger Nuschel-Raps, mehr Aufsehen konnten die Herren nicht erzeugen. Beim ersten Mal hören hatte ich Gänsepelle und den dringenden Wunsch, die Arme in die Luft zu heben und mitzubounzen.

Es war einmal - Das Schöne an Bands ist, die einen ein Leben lang begleiten, dass sie alle mal erwachsen werden. So bremst Es war einmal die Randalestimmung des Openers und nimmt uns mit durch eine Reise von der Beatstreet bis Ahma. Da kommt ein wenig "back in the days"-Stimmung auf und offensichtlich für Bands und Rapper immer mal wieder ein wichtiges Ding (siehe: Umse - Alles Geschichte). Schön auch das Zitieren der eigenen Hits...

Meine Posse - Sie können es noch, frische Beats, ordentliche Raps, ein wenig Stallgeruch verbreiten, zumal der alte Eimsbusch-Kollege Samy Deluxe mitmachen darf.

Schelle - Besticht vor allen durch den Stilmix, vom entspannten Reggae-Sound über einen markigen Spruch (Wird sich für den Schulgebrauch jedenfalls gemerkt!) bis hin zu einem zerflexenden "Refrain". Für mich klingt Herr Eißfeld auf Reggae immer noch am besten...

So schön - Hach, Romanntikmodus an... und aus Hand auf's Herz eines wilden EinsZwo-Dendemanns wird es smooth und kuschelig, eine Homage an die Damen, Prinzessinnen, Heldinnen und heißen Ladies dieser Welt. Keine grundsätzlich neue Idee, aber dieser poppige Sound passt zu den Beginnern dann doch nicht so recht. Aber wer sich das zwischendurch erschienene Denyo-Album reingezogen hat, wird das ein oder andere wieder finden.

Rambo No. 5 - Ja, wir kennen ihn alle, den Sommerhit der letzten 200 Jahre... Für mich ist dieser Song der schwächste auf dem ganzen Album... dieser Sound, der mehr verspricht als er abliefert, und dann dieses nervige Echo? Was soll das? Schade drum, hätte ein neuer Sommerhit werden können...

Kater - Fuß vom Gaspedal und wieder runterkommen. Auch hier dürfte Denyo maßgeblich für das Songwriting verantwortlich sein. Aber schöner hat noch niemand den schwarzen Kater beschrieben.

Rap & fette Bässe - Sauberer Beat, minimalistisch und schick, schönes Sample aus dem Knaller von Afrob und Ferris und dazu noch feine, minimalistische, aber pointierte Raps... so macht das Spaß, wenn die älteren Herren wieder da sind.

Spam - Der Song klingt ein wenig nach Damals-war-alles-besser, was eigentlich eher den 70Plus-Herren gut zu Gesicht stehen würde. Das Digitalisierung schwierig ist, menschliche Werte und zivilisatorische Errungenschaften möglicherweise auf der Strecke bleiben, ist wohl "Randnotiz der Geschichte", aber leider wahr. Klingt ein Bisschen nach Weltverbesserung, wichtig, aber ein wenig lehrmeisterhaft.

Thomas Anders - Grandioser Refrain und schöner Beitrag des großartigen Megaloh. Auch hier wieder, eher reduzierter Sound, dafür die herrlich nervige Refrainstimme des Herrn Eißfeld. Auch hier wird gegen gesellschaftliche Missstände musiziert, was deutlich mehr Spaß macht als Spam, wenngleich der Merksatz "have you own kind of style not like the rest" locker in jedem Poesiealbum stehen könnte.

Macha, Macha - Spätestens hier klatschen sie aufeinander wie eine flache Hand auf eine ungeschützte Wange. German New School meets German Old School, Baba Haft als Feature bei den Beginnern, für viele ein Affront wie damals das Feature von Sabrina Setlur auf dem Fanta-Album. Ich habe gefeiert! Großartige Sache, und wenn ich mich lange gewehrt habe, das Zeug der Herren Gansgterrapper macht Spaß. Unklar ist mir, ob die ganze Nummer wirklich ernst gemeint ist, oder eher eine Parodie mit Selbstbeteiligung ist. Aber "Zigtausend-Sassa" hat schon was...

Nach Hause - Hätte genauso gut auch Hamburg, meine Perle lauten können. Eine Hommage an die Heimat, den Heimathafen, den eigenen Kiez. Ein kleines Stück Heimatliebe, geradezu eine Ode auf den letzten sicheren, heimeligen Platz in all dem Durcheinander von Spam, Reggae, Ganstarap und Anderssein. Sicher, ganz weit entfernt von Nordisch by nature, aber mit mindestens genauso viel Herzblut. Home is where your heart is!

Fazit
Ich finde, dass die Herren aus Hamburg ein sehr abwechslungsreiches Album vorgelegt haben, dem deutlich anzumerken ist, dass die Herren inzwischen alle ein bis zwei Jahre älter geworden sind. Sicher ist Advanced Chemistry kein Album für die 14-18-Jährigen, die schwer abgehen wollen auf fette Beats, dazu gibt es schlicht zu wenig fette Beats, weil das Album recht poplastig geraten ist. Für alle, die mit den Herren groß geworden sind, und nach 15 Jahren immer noch nicht genug haben von Bambule und den Füchsen, denen wird dieses Album möglicherweise entgegen kommen. Es ist nicht mehr so aufgeregt und wuselig, sondern die Beginner sind mit uns gealtert.
Bei mir haben sich die Herren jedenfalls einen festen Platz in der Rotation gesichert. Sicher ist es kein Zufall, dass sie mit dem Titel und der Verwendung eigener Zeilen aus den 90er-Jahren einen Kreis schließen, und schon damals galt, dasss Füchse gar keine Rudeltiere sind. Die Beginner haben jedenfalls wieder etwas sehr eigenes geschaffen.











Dienstag, 9. August 2016

Gefällt #2 (RuhrpottRodeo)

Hach, es bleibt ja dabei... ein Mal im Jahr geht es raus, auffe Wiese, zum Festival am Flughafen..

Nein, nicht zum Out4Fame, sondern zum legendären, inzwischen 10-jährugen RuhrpottRodeo...

Sicher, für drei Tage im Matsch, zwischen kiffenden Punkern und stinkenden Dixieklos (Oder war es andersherum?), bin ich inzwischen echt zu alt. Wir Wohlstandspunker sind ja inzwischen gesetzt und schätzen ein bequemes Bett und eine frische Dusche. Aber dennoch wollten wir es uns dieses Jahr nicht nehmen lassen, wenigstens einen Tag dort vorbeizusehen. Da drängte sich der Sonntag mit Sick of it all und NoFX als Headliner geradezu auf.

Also ging es am frühen Sonntagnachmittag mit dem Geschwister-Shuttle nach Bottrop-Kirchhhellen. Flugs aus dem Auto, an der Kasse das Armbändchen abgeholt und schon konnte es los gehen. Shcon auf dem Weg zur Kasse mussten wir ein wenig durch den Matsch, es hatte halt am Tag vorher recht amtlich geregnet.

Und schon war es wieder da... dieses unverkennbare Zeichen, das olfaktorische Signal, dass Rodeo ist... der Geruch... der ist einfach unverwechselbar... es sind gar nicht mal die ungeduschten Punkerjungs und -mädchen, die ergänzen es nur... nein, es ist der Geruch nach nasser Kuhwiese, nach Gärung, Verwesung... kein schöner Geruch, aber auch keiner, den man nich ertragen kann..

Nach zwei, drei Bier riecht man es auch wirklich gar nicht mehr und spätestens nach der türkischen Pizza zur Stärkung ist eh alles egal... (Empfehlenswert: Falafel) Obwohl ich problemlos den ganzen Tag im Biergarten hätte sitzen können, allein wegen der vielen lustigen Menschenkinder (Man müsste auch noch mal über "Uniformierung" der Punkszene nachdenken!), wurde natürlich auch Musik gemacht...

Erste Band unter den eigenen Augen waren Swiss und die Anderen, eine Kombo aus Hamburg, mit einer Mischung aus Such a Surge, Trieb und einer kleinen Portion Megavier, wenngleich der politische Faktor deutlich größer war und mir zumindest ziemlich Spaß gemacht hat, zumal Swiss, ursprünglich Rapper, ein nicht ganz untalentierter Sprachakrobat ist und mit launigen Sprüchen die Zuschauer bei Laune gehalten hat.

UK Subs haben wir uns dann mal geschenkt und sind erst bei den Italienerin von Talco wieder eingestiegen. Wenn ich so gut wie kein Wort verstanden habe, ich bin ja des Italienischen nicht mächtig, aber die haben definitiv gute Laune verbreitet und eine ganz schicke Bühnenshow abgeliefert.

Anschließend gab es bei The Dwarvs auf der kleinen Bühne mächtig auf die Mütze und dann eine Pause für die alten Männer,, also ließen wir Flag Flag sein. Wir sind erst wieder bei Eisenpimmel eingestiegen, die die Punk-Erfahrung am Sonntag dann abgerundet haben, denn wer kann den Titeln wie "Sonne, Mond und Scheiße" oder "Füße hoch, Fernsehen an, Arsch lecken" widerstehen?

Auf dem Weg zum Endspurt ging es dann mit der Sondaschule los. Die Herren aus Oberhausen habe ich zum ersten Mal live gesehen und kannte sie bisher nur von Konserve. Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht war, weil die Stimme des Sängers und die SteelBrass-Menschen irgendwie nach mehr Druck und Power klingen. Trotz allem ein gelungener Auftritt, der mehr Bewegung in die Zuschauer brachte (insbesondere auch in der zweiten Etage) als die Herren von UK Subs oder Flag.

Die nächste Eskalationsstufe bestiegen dann Sick of it all. Die Hardcore-Band aus New York ließ sich und den Zuschauern keine Zeit. Vom Fleck weg auf die Fresse, schnell, hart, melodiös, genauso wie man es mag. Ein sahnemäßiger Auftritt, nach dem sich viel Zuschauer auf letzter Rille und nassgeschwitzt aus dem moshpit schleppten.

Nur noch eine kurze Weile warten und dann betraten NOFX die Bühne. Ein riesenhaftes Banner kündigte die Jungs um Fat Mike an. Der ließ es sich  nicht nehmen, im schwarz-roten Trägerkleidchen aufzutreten. Knapp eineinhalb Stunden punk-ten, reggea-ten und hardcore-ten sich die Herren durch mehr als 30 Jahre Bandgeschichte. Ein Fest! Zum Abschluss gab es dann Akkordeon und gemütlichen bayuvarischen Ausklang.

Mit letzter Kraft haben wir uns anschließend nach Hause geschleppt (nach Geschwister-Shuttle) und selig ging es ins Bett... :-)

Ach, noch was, neben dem Geruch gibt es auch ein Geräusch, was zum Rodeo gehört. Nein, nicht der leichte Tinitus nach sechs bis acht Stunden Mucke auffe Ohren, sondern das Geräusch, wenn Menschen durch einen Bodenbelag von alten Plastikbechern latschen als wenn sie durch das Herbstlaub schlendern.

Gefällt #1 (Ferien auf dem Dorf)

Hallo zusammen, 

endlich habe ich frei, also so richtig frei, frei im Sinne von, nichts zu tun, keine lästigen Pflichten, keine Aufgaben, keine Arbeit... Ich sage es mal so, aktuell kann ich damit noch umgehen...

Also ging es in die Heimat, home- and dog-sitting, dazu ein wenig Rad fahren, lesen, jede Menge Nichtstun...

Dann fing passenderweise noch die neue Saison des ruhmreichen und erfolglosen Meidericher Spielvereins, da konnte man diese lästigen Prüfungen rund um das Praxissemester bestens verdrängen und abhaken. Jetzt noch Anfang September den letzten Quatsch abliefern und dann ist auch wirklich gut und ich freue mich schon wieder auf das neue Semester... Ach ja, eine Hausarbeit muss ich auch noch schreiben, aber erstmal war ausspannen angesagt.

Und wie das so ist, vor lauter Entspannung kommt man zu nichts und so musste ich an einem Samstag feststellen, dass ich nichts zum Frühstück da hatte. Auf dem Dorf ist es ja kein Problem, ab zum Bäcker. Kaum geparkt nimmt mich ein älterer Herr in den Blick, Retriever an der Leine, Plastiktüte in de Hand und einen großen Ast als Wanderstock in der Hand.

"Is' das der Neue von XY", sprach er mich an, mit Blick auf das Auto. Was so harmlos anfing sollte in einer knapp einstündigen Unterhaltung enden, in der der 66-jährige mir tiefe Einblicke in sein bisheriges Leben, seine Familiensituation und die ein oder andere Anekdote seines Lebens mitteilte. Sicher, ich hätte nach höflichen fünf oder zehn Minuten gehen können, aber der Mann hatte eine sehr launige Art zu erzählen. Am Ende habe ich ihn nach Hause begleitet, bin von ihm eingeladen worden, ihn doch mal zu besuchen und dann auch mal was von mir zu erzählen. So sind sie, die Ferien auf dem Dorf...

Donnerstag, 30. Juni 2016

Nervt #1

Guten Morgen zusammen,

schnell ein rascher Post. Heute mit: Nerviges Zeug von der Seele reden.

Für meinen Geschmack gibt es am frühen Morgen nichts nervigeres - also außer dem frühen Aufstehen, als rennende Menschen an Bahnhöfen. Was stimmt mit diesen Menschen nicht?

Klar, Chefs sind knallhart und sieben hardcore-mäßig aus, wenn die kleine Angestellte/der kleine Angestellte morgens nicht um halb sieben im Büro ist, sondern erst um 6:35h! In größeren Städten, zu der ich Assindia jetzt einfach mal zähle, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass mensch den einzigen Bus verpasst, der binnen der ersten 12 Stunden des Tages in Richtung nächst größere Ansiedlung fährt. Ganz in Gegensatz zu Calivoerdia, wo einem ganztägig der ÖPNV versucht aus den Fahrzeugen zu halten.

Warum laufen diese frühsportlichen Menschen Also, joggen zwischen schlafmützigen Pendlern im Slalom zum U-Bahn-/Bus-/Bahnsteig? Meine Vermutungen:

1) Es fährt wirklich nur ein Bus/eine Tram/ein Zug grob in Richtung Arbeitsstelle und dann viele Stunden, möglicherweise Tage nicht mehr.

2) Sie zeigen der Welt: Seht auf dieses Stück Mensch, durch Bewegung entkamen meine Vorfahren einst dem Säbelzahntiger, nun bändige ich den ÖPNV. Außerdem kann so jeder sehen, wie sportlich ich bin, dass ich schon am frühen Morgen jogge.

3) Diese armen Menschen führen ein trauriges Dasein, allein bestimmt vom lebenserhaltenden Wechsel zwischen Bett, Tisch und Arbeit. Sie kasteien sich selbst, um der Gesellschaft wenn schon nicht durch die Schöpfung großartiger Literatur oder Musik, wenigstens ein kleines Bisschen besser zu machen, durch ihren Einsatz und Selbstlosigkeit.

Schade nur, dass ich es nicht sehen will und es nur nervig finde, wenn morgens um sechs schon dutzende Pendler an mir vorbeizischen wie einem Jedermann-Marathon. Wie sagten schon die Fantastischen Vier: "In der Ruhe liegt die Kraft..."

In diesem Sinne: An der Bahnhofskante wird nicht gerannt, Kinners!